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Geschichte der Heraldik. III. 3.
imi fuerunt. Est enim quaedam hestia pardus, quaeadulterans cum leone, leopardum parturit."
Bischof Thilo von Merseburg, a. d. H. der vonTrotha soll nach einer unendlich oft variirten Wappen-sage einen Diener wegen des von einem Raben began-genen Ringdiebstahls haben hinrichten lassen. ZurErinnerung nahm er das Bild eines Raben in sein Wap-pen auf und ordnete durch eine Stiftung auf Zeitendie Unterhaltung eines lebenden Raben im Schlosshofezu Merseburg an.
Wie Lepsius 1 ) berichtet, existirt diese Stiftung„indem bis auf den heutigen Tag im Schlosshofe zuMerseburg ein Rabe unterhalten und zu dessen Fütter-ung in der Rentamtsrechnung ein Gewisses an Gersteverschrieben wird."
Inzwischen hatte das Geschlecht v. Trotha schonlange vor Bischof Thilo's Lebzeiten (1468-1514) dasfragliche Wappen angenommen. Jedenfalls hat derBischof dieStiftung einfach seinem Wappen-vogel zu Ehren errichtet.
Auf dem Rittergute Neuendettelsau (Franken) wur-den — wie Pfarrer Steinhäusser 1831 im Pfarrbuchevon Eib bemerkt — zur Erinnerung an den eibischen Wap-penvogel immer einige lebendige Pfauen unterhalten. 2 )Die Stadt Lindau im Bodensee unterhält nochheute als „lebendes Wappenbild" auf dem Marktplatzdaselbst eine Linde. *)
Fritz Reuter erzählt von dem Rektor Schäfer inStaveuhagen (Anfangs des Jahrhunderts), der ein ge-borener Hallenser war: „Seine hochdeutsche Herkunftund seine gelehrte Vaterstadt trug er beständig imHerzen und schnitt und pappte sich deshalb ein Trans-parent zusammen, welches das Wappen seiner Va-terstadt führte, einen Halbmond, den er allabend-lich über die eine Ecke des Kirchhofes aufgehen Hess." 4 )Waltz") erzählt: „Nachdem Anno 1588 den 21. Juliidie durchlauchtige Hochgeborne Fraw Sophia, geboreneHertzogin zu WUrtemberg, Friedricli Wilhelm Hertzogenzu Sachsen Gemahlin, ihres Alters im 26. Jahr, in har-ten Kindsbanden gestorben, solle vor ihrem Tod einHirschgeweih welches in dem Saal zu Vache an derWand vor vilen Jahren aufgehenckt, vil Blut geschwitztund von sich lauffen lassen, welches, weilen es dasWürtembergische Wappen beditten, disen Todsfall einerFürstin von dem Würtembergischen Geblüt und Stam-men solle angekündigt haben."
Vortrefflich dem Geiste der Zeit angefasst ist jeneStelle in Walter Scott's Roman Kenilworth wo der Earlvon Sussex einen missliebigen Vergleich zieht zwischenden Scheinkämpfen auf der Bühne des William Shakes-peare und den Aufregungen einer Bärenhetze. DieKönigin Elisabeth fragt den Earl von Leicester umseine Meinung, bemerkt jedoch: „aber wenn ich anEuer Wappen mit dem Bären und dem knorrigen Stabdenke, so glaube ich, wir thäten besser, einen weni-ger parteiischen Redner anzuhören." —
Für die Ueberreichung gemalter Wappen wurdenwohl häufig Belohnungen ertheilt.
Der Glasmaler Vit Hinderegger von Meersburg1574 — 1596 in Luzern thätig, erhielt 1581 das Bür-
1) Kleine Schriften II. 304 ff.
2) Jahresbericht des historischen Vereins zu Ans-bach f. 1867. S. 119.
3) v. Hefner, Neuer Siebmacher, Städte S. 21.
4) Meine Vaterstadt Staveuhagen. In: Schurr-MurrS. 197.
gerrecht für ein schönes Wappen, das er dem Ratheverehrt hatte.")
Der Lnzerner Glasmaler Franz Fallenter, geb. inLuzern, seit 1580 Hintersasse, wurde wegen Schenkungeines „köstlichen Wappens" 1598 mit dem Bürger-rechte beschenkt.') —
Um so empfindlicher traf den Wappenherrn derSchimpf der seinen Wappen durch Wort oder That an-gethan wurde.
Ottoear HornecJc (um 1350) brandmarkt in seinerReimchronik das Andenken zweier Persönlichkeiten, diein offener Feldschlacht aus dem Heere des RömischenKönigs Rudolf geflohen waren, 8 ) in folgender Weise:
Davon daz laster mus geligen
Auf den schuldigen
Die laz ich darumb straffen
Der ain fürt ze waffen
Den da vechtens pevilt
In ainem roten schilt
Semleiner wekch drey,
Da erchannt man jn pey :
Wann sy die schilte von jn
Wurffen, do sie fluhen hin.
Den andern offen dew weit
Der fürt in ainem gelben veld
Ain wurm, der was swarcz
Als ain gelewtert harcz
Der waz auf und unden
Umb einander gewunden
Pey dem warezeichen
Mugt ir wol eraichen
Wer derselb wer:
Er waz ein Steyrer
Und waz dinstmans genoz,
Michel waz er und groz
Zu den fraydigen man jn zeit
Nu verstet euch, ob ir weitDurch die Blasonierung des Wappens waren diebetr. Feiglinge für alle Zeitgenossen kenntlich gemacht,und doch war der Name (nomina sunt odiosa) nicht ge-radehin genannt.
In ähnlicher Weise wird die Umgebung des Römi-schen Königs Wenzel in einem politischen Liede ausder Zeit von 1385 durch die Hechel gezogen. Der In-halt des Liedes ist folgender:
Zum König Wenzel kommt eine Botschaft des Kö-nigs von Marocco und trägt vor
„meim herrn ist leider tot
sein hofgesinde und ganzer rat,
sein hof ane aminichtleute stat.
Das warn die besten wichte gemein,
die die sunne ie beschein,
falsche zungn, untrawe meileg
und aller schalkheit anteileg,
was hosheit man erdenken solle
des was der hof zu male volle.
Drumb hat der konig mich gesant
zu euch her in das land,
konig Wenzlaus, fürstn und grafen reich:
sendt om ein zal derselben gleich,
wenn ir habt or zu male vel,
min berre es ummer dienen wil,
dass er besetzen möge als e
sein hof, und dass om icht zuge
bosheit unde hofegalle.
gart
5) Fürstl. Wiirt. Stamm- und Namensquell. Stutt-1657 S. 58.
6) Anzeiger f. Schweiz. Alterthumsk. 1878. S. 860.
7) Ebenda.
8) Dass es sich liier um eine historische Thatsachehandelt, will ich ausdrücklich erwähnen.