Geschichte der Heraldik. III. 2.
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Aus dem wehenden Helm tue h entwickelt sich so-dann der zeltartige aufgebundene Helmmantel dernamentlich dann angewendet wird, wenn man der Dar-stellung ein altes Aussehen geben will. GleichzeitigeDiplome bezeichnen diese Helmdecken als „altfränkisch."
Ueber die Helmdecken sagt C Spangenberg:
„Es sind freylich solche Helm-Decken nicht alsokrauss, und einem Laubwerk so ähnlich gewesen, wiedie hernach von den Malilern gemacht worden, sondernals ein viereckigt Tuch formirt gewesen, wie inden alten Gemälden zu befinden, dass aber die Mahlerhernach solche sonderliche und wunderliche Muster er-dacht, und gemacht, muss man ihnen passiren lassen —"
Rudolphi setzt hinzu: „Es findet aber dieser Ein-fall der Mahler nicht bey allen die approbation undwollen einige Familien lieber die alten, und ge-knüpften Helm-Decken behalten, als diese neu-erfundene annehmen, weiln solche, vor diesem als Zei-chen des Alterthums angesehen werden."
Das Wappenbuch von Virgil Solis (1555) enthältunter den Freiherren zahlreiche Wappen, die statt derHelmdecke einen Helmmantel zeigen.
Stammwappen der Ruber zu Pixendorf nach derAbbildung im Grafendiplom von 16611).
Steehhelm, „altfränkische" Helmdecken und heid-nische Krone.
Eine Wappen - Composition, die 0. T. von Hefnersehr gerühmt hat, will ich hier nicht unerwähnt lassen,weil sie einen der wenigen gelungenen Versuchedarstellt, die Wappenkunst auf die Antike zurückzu-führen. Es handelt sich hier um eine Darstellung desbayerischen Wappens von welcher der genannte Autor 2)wie folgt spricht:
„Auf den ersten Anblick würde man das Wappenkaum für ein Product altbayerischer Kunst halten,sondern weit eher seinen Ursprung in den klassischenGefilden Roms suchen. In der That kann die Bildungund das Verständniss der Antike bei einem Künstlernicht gering gewesen sein, dem es gelang, ein in ge-wissen Formen hergebrachtes Wappen, in solcherWeise umzumodeln.
„Besehen wir uns die Composition näher, so findenwir, dass der bis dorthin gebräuchliche deutsche Schildnach Form eines ovalen Edelsteins oder Medaillons um-gemodelt und mit einer Einfassung oder Cartouche ver-sehen wurde, auf welche zwei altrömische Helme ge-stellt sind, die zur grösseren Stabilität durch, hinterdem Schild geschrägte Lanzen gehalten werden.
„Diese beiden Helme, deren jeder mit einer antikenKrone geziert ist, tragen einen Kamm mit reichemrückwärts abwallendem Federschmuck; in und zwischendiesem Schmucke erheben sich die bayerischen Helm-kleinode, auf dem ersten die gefundenen Hörner, aufdem zweiten der Flug. Der Löwe aber liegt hier aufder Helmhaube selbst vor dem Kamme.
„Den Mangel der Decken, die bei klassischen Helmennicht wohl anzubringen waren, und deren Fehlen denndoch einen wehethuenden leeren Raum erzeugt habenwürde, ersetzte der Künstler durch reichlich gewundeneBänder, welche von einem Löwenkopfe in der Mitte derHelme ausgehen.
„Das Ganze ist ebenso originell gedacht als nobelausgeführt .... das Original dieses Wappens ist einHautrelief in carrarischem Marmor, circa 10 Fuss hochund entsprechend breit und findet sich an der Rückseiteder königl. Residenz in Landslmt. Diese wurde in denJahren 1536—1543 von dem Mitregenten Herzog Lud-wig erbaut und zwar in glänzendem Renaissancestiledurchgeführt.
„Die Umschrift des Wappens ist mit Abkürzungen :„Ludovicvs Vtrivsque Bavariae Lux."
Die Pracli ts tücke.Die Schildhalter — das älteste und wichtigstePrachtstück der Wappendarstellung — leiten ihren Ur-sprung jedenfalls aus dem sphragistischen Gebraucheder Wappen her. In den Siegeln werden die Wappenmehr und mehr das Hauptbild, das Porträt des Inhaberswird häufig verdrängt 3 ) von willkürlich gewählten Fi-guren die den Wappenschild halten. Zunächst sind es
1) Herold 1876. S. 94.
2) Altbayer. Heraldik S- 66.
3) Ralph v. Retberg zählt mit Unrecht auch die-jenigen Siegel, in welchen das Porträt des Inhabers dieHauptsache bildet, zu den hierher gehörigen Darstell-ungen. Er schreibt:" „Die ersten Schildhalter — zurStaufenzeit — waren die Inhaber selber (auf Reiter-siegeln u. s. w.) und noch heute sind die am schick-lichsten solche, welche überhaupt ein Wappen zu führenberechtigt sind, also Mann und Frau, sowie deren Söhneund Töchter und allenfalls von ihnen beauftragt, derenDiener - Wappenknechte genannt oder Schildbuben,Schildwächter, - Engel (schon 1296, doch nament-lich viel in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh.) oderHeilige, wodurch nebenbei auf eine passende Weise nachmittelalterlichem Brauche der Vorname des Schildinha-bers oder der Inhaberin angedeutet werden kann.....
Wilde Männer und Thiere, wie Greife, Löwen, Bären,Hirsche, Hunde muss man eben wenigstens als Schild-wächte r gelten lassen, weil sie namentlich im 15. Jahrh.oft genug vorkommen. In der Reformationszeit warendann namentlich Landsknechte, Jäger, Frauen aller Artals Schildwächter beliebt." (Kleine Bemerkungen zurWappenkunde. In der Zeitschrift des Wiener Vereins„Adler" 1873 S. 133).