Geschichte der Heraldik. III. 1.
349
Gründen ein neues Wappen unter rechtlichenGarantien erwerben, so musste die Form der Con-cession (Fall (iurk) oder der Belehnung (Fall Nassau)gewählt werden. Da derartige Gesuche dem Antragegemäss erledigt worden sein dürften, so konnte sicheine einheitliche Praxis nicht herausbilden.
Kaiser Karl [V., der Schöpfer des Briefadels, hatauch angefangen, sowohl Wappengenossen als auchsolchen Personen, die nicht zum Wappen geboren waren,neue Wappen durchDiplome zu verleihen. Aber auchhier mangelt noch die einheitliche Praxis, weil man sichauf einem ungepflegten Boden bewegt nnd bei der Fassungdes Diplomes den gestellten Antrag zu Grunde legt.
In dem einen Falle wird ein bestimmtes genau be-schriebenes Wappen verliehen, in dem andern demDiploms-Empfänger das Recht gewährt, sich ein Wappen,das mit den rechtlichen Garantien versehen sein soll,selbst zu wählen.
Noch kennzeichnender ist es, dass in dem Jalle de3Wicker Frosch, der schon vor seiner Nobilitation einWappen besass, also nicht darum zu petitioniren brauchte,die Wappenclausel gänzlich mit Stillschweigen über-gangen wird.
Gleichzeitig wurden vom Kaiser auch die aus demalten Rechte herfliessenden Befugnisse ausgeübt: dieWappen ausgestorbener Familien, die dem Reiche un-mittelbar zugewandt waren, wurden weiter verliehen.
Carolus IV. imper. giebt Jacobo de Turri, militi Sahs-burgensi, einen Wappenbrief vom 8. Decbr. 1347, dasssie im schwarzen Felde einen weissen Rüdenkopf mitausgestreckter Znnge und rother Krone, ebenso auf demHelm führen dürfen. 1 )
Von diesem später freiherrlichen Geschlechte desLandes Salzburg lebte in der angegebenen Zeit einJacob v. Thurn. Von der kaiserlichen Begnadigungmachten sie nur für ihren Helm Gebranch, während sieim Schilde ihr Erbwappen — einen Schachsparren —fortführten.
Von dem Römischen Könige Wenceslaus sind nurvereinzelte Wappen-Verleihungen bekannt. Das ältesteder Diplome gewährt rittermässigen Persönlichkeitendas von ihnen erbetene neue Wappen, und lautet mseinem ganzen Umfange wie folgt:
Bettlern 14. Februar 1392
„Wir Wenczlaw von gotes gnaden romischer konigz u allen Zeiten merer des reichs und kunig zu BeheimBekennen und tun kunt offenlich mit disem brive allenden, die in sehen oder hören lesen», das für uns komensint Hans Conczman von Staffurt und Clauss ein bruder unsre üben getrewen und baten uns mitGeisse, das wir in die nachgeschoben wappen: einenRissen sparren in einem blawen felde und in der hohedesselben sparren einen roten nagel, als dieselben Wappenhyrrynne gemalt sint, von romischer machte geruchtengnediclichen zu verleyhen. Des haben wir mit wolbe-dachtem mute, rate unsir getrewen und voii rechterbissen den egenanten brudern und iren erben die ob-genanten wappen, als sie hyrynne gemalt sint genedic-lichen verüben und gegeben, verleyhen und geben in dievon romisch kuniglicher macht in craft dicz brives, alsodas sie und ir erben dieselben wappen uff dem s c hilteu «d dem heim furbasmer ewiclichen füren und dera » allen steten zu stechen, zu turnyren und andernritterlichen werken , beyde zu schimpf und zu ernst anal ler meniclichs hindernusse gebrauchen sollen undtt °gen gleicherweis als die von rechtem erblicnenstammen an sie komen und geerbt weren. Uuch tunWlr >n in diese besundere gnade von der egenanten^mischen kuniglicher machte, das sie und ire erbeng'eich anderen edeln rittermessigen lenten beyde zu
1) Hefner, Stammbuch IV, 80.
gerichte siezen, recht und urteil sprechen lehen versteen,bedienen und behalten sollen und mögen, unschedlichdoch hieran allermeniclichen an iren Wappen. Mit ur-kund dicz brives versigelt mit unserer kuniglichenmaiestat insigel. Geben zun Betlern 2 ) nach Cristsgeburt dreyczehenhundert jar und dornach in dem zwey-undnewnezgisten jare an sand Valenteins tage nnsererreiche des behemischen in dem newenundezweinezigistenund des römischen in dem sechezehendisten jaren.
Das auf Pergament geschriebene Original mit an-hängendem Siegel befindet sich im Grossherz. BadischenGeneral-Landesarchiv (Section Lehen- und Adelarchiv).
Das Wappen ist in den Wappenbrief auf rothemGrund colorirt eingesetzt. Die Helmzierde bildet einblauer Vogelfiug mit dem weissen Sparren und demrothen Nagel.')
Zu Prag am 30 März 1397 verlieh er dem neu-creirten Herzog der Lombardei, Johannes das Wappendes Reichs, den schwarzen Adler in Gold, in derForm,wie ihn die Kaiser zu führen pflegen, d. h. mitzwei Köpfen. Die betreffende Stelle der Urkunde lautet:
„Cupientes insuper tibi, tuisque Descendentibus etSuccessoribus Ducibus Lombardiae pro nobis et DucatuLombardiae praedicto de Armis et Insigniis provid,ere,praesertim de Insigniis nostris Imperialibus, quae Majorestui et tu nostro, et Serenissiinorum Praedecessorumnostrorum Romanorum Imperatoruni et Regnm nomineretroactis temporibus, in Bellorum actibus et ubiquestrenue detulerunt, non ad tuae petitionis instantiam,sed de benignitate Regia, motuque proprio ac tuaeoriginis nobilitate poscente, ex certa scientia et deRomanae Regiae Plenitudine Potestatis, tibi, tuisqueDescendentibus legitimis et legitimandis a nobis, sivea Successoribus nostris Romanorum Imperatoribus etRegibus eorumque Descendentibus in futurum, quosDuces Lombardiae esse continget, concessimus, et con-cedimus ac tenore praesentis nostri Privilegii licentiamelargimur, quatenus pro dicto Ducatu Lombardiae Annaseu Insignia nostra Imperialia, videlicet Aquilam nigramin Campo aureo, in forma, qua ipsa Arma SerenissimiRomanorum Imperatores portare consueverunt, aut perquarteria tu, tuis, tuorumque Descendentium Armis, prout tibi, Descendentibus, et Successoribus tuis Ducibusvidebitur et placuerit, ubique teuere, deferre et portare,ac teneri, deferri et portari facere valeatis eunetistemporibus affuturis, ut per hoc inter Nos, Successoresquenostros in Imperio, ac te, tuosque Descendentes, etSuccessores Duces memoriale perpetuum, vinculumqueunionis maneat et perduret; nolentes, sed potius in-hibentes, te, tuosque Descendentes et Successores Ducesut supra in Armorum ipsorum delatione per quemeumque,cujuscumque Dignitatis et Auctoritatis existat, protinussuccessive quommodolibet impediri." *)
Zu Prag am 10. Aug. 1400 verlieh er dem ErzbischofAlbrecht von Magdeburg, seinen Nachfolgern und derKirche zu Magdeburg die Wappen, so sie vormals ge-führt — halb roth und halb weiss — mit einem schwarzenfliegenden Adler des Reichs auf denselben Feldern durch-strichen. s )
Zu Prag am 23. December 1411 thut er dem Rappervon Rosenharz aus Römisch Königlicher Macht dieGnade, dass er seine Erbwappen mit einer (Helm-) Kronebessern möge. 8 )
2) Zwischen Prag und Pilsen.
3) Von Dr. Fr. v. Weech im Anzeiger für Kundeder deutschen Vorzeit 1882 S. 164 ff. mitgetheilt.
41 Einem notariellen Vidimus entnommen, welchenJ. du Mont, corps univers. diplomat. Tome II Partie IS. 261 f. mittheilt.
5) Vergl. Urkunde Nr. 50.
6) Vergl. Urkunde Nr. 53.