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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik II. 5.

Maria, Gemahlin des Grafen Rudolf von Habsburg,Lauffenburger Linie, Tochter des Grafen Friedrichvon Oettingen; Siegel aus dem 14. Jahrh. mit der Um-schrift: f S. Marie. Comitisse. De. Habsburg. Bild:die Gräfin stehend, in der Hechten Hand ein B (Vor-namen ihres Gemahls) empor- mit der Linken den Habs-burger Schild abwärts haltend. Im Siegelfelde rechtssteht der Schild Oettingen. Freiherr Wilh. v. Löffelholz i)bemerkt zu diesem Siegel:Obschon sie das eigeneOettingische Wappen vorangestellt hat, so bezeichnetsie doch in sehr sinniger Weise, dass dies nur ihr Ge-burts-Schild sei, sie aber nunmehr demjenigen angehöre,auf das sie linke Hand stützt und dessen Besitzer der-jenige ist, welcher durch den Buchstaben R gekenn-zeichnet werde."

Ich kann hierzu ein Simile anführen:

Beatrix (f ca. 1359), Gemahlin des Grafen Hein-rich IL von Görz, Tochter des Herzogs Stephan vonBayern; Siegel mit der Umschrift: f Sigilum. Beatricis.Comitisse. Goricie. Et. Tirolis. Bild: die Fürstin auf

einem Throne sitzend, mit den Händen emporhaltendrechts den Schild Bayern, links den Schild Görz. Dadas väterliche Wappen des höheren Ranges wegenvorangesetzt ist, so wurden zur Vermeidung von Ver-wechselungen über den Schild Bayern der Buchstabe B(Beatrix) über den Schild Görz der Buchstabe H (Hein-rich) gesetzt.

Solche Buchstaben sehen wir auch auf dem früher(unter dem Jahr 1312) erwähnten Siegel der HerzoginJutta von Bayern. Dort stehen jedoch die Buchstabennicht in Beziehung zu den Wappen.

Uda, Gemahlin des Johann I. Herrn von Limburg(f 1365), geh. Gräfin von Ravensberg; Siegel mit derUmschrift: f Siaillum. Domina (sie) Uda. De. Linn-purg. Bild: in einem Sechspass die Dame stehend, demlinks stehenden Schilde Limburg zugewen-det auf der Linken einen Falken tragend; im Siegel-

felde rechts der Ravensberg'sche Schild. Unter beidenSchilden sitzt je ein Hund.

Margaretha, Gemahlin Gerlachs von Hohenlohe,vorher mit dem ungarischen Prinzen Stephanvermählt, geb. Herzogin von Bayern; Siegel von1360 mit der Umschrift: S. Margarete. Dei. Gra. Du-cissa. Bawarie. Dna. De. Hohenloch. Bild: quadrirterWappenschild 1. die bayerischen Wecken, 2. u. 3. Hohen-lohe, 4. die ungarischen Balken.

Adelheid Gemahlin des Markgrafen Rudolf V. vonBaden, geb. Markgräfin von Baden führte zuerst einPortraitsiegel, in dem sie rechts und links je einenSchild Baden hält. Im Jahre 1365 benutzt sie einanderes Siegel: ein Lindenbaum, von dem rechts derbadische Schild mit dem Schrägbalken, links ein Adler-schild herabhängt. Sollte hier eine Reminiscenz andas alte Wappenthier des Hauses vorliegen? Nur aufBaden kann sich der Schild beziehen.

Katharina, Gemahlin dos (wittelsbachischen) Kur-fürsten Otto IV. von Brandenburg, Tochter desKaisers Karl IV.. Siegel von 1367 mit der Umschrift:f Katherine. March. Brandeburgen. Bild: quadrirterSchild; 1. u. 4 der brandenburgische Adler, 2. der böh-mische Löwe. 3. die bayerischen Wecken.

Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts fingen dievornehmen Damen an, .Kronen als Kopfschmuckzu tragen. Es sind uns oben -Beispiele aus den Jahren1285, 1308, 1320, 1342 begegnet.

In dem Kleinodien-Verzeichnisse einer Gräfin vonFlandern, Handschrift des 14. Jahrhunderts im Archivzu Lille werden u A. drei Kronen aufgeführt 3 ).

Der österreichische Herold Peter Suchenwirt sagtin einem seiner Ehrenlieder:69 Dem edel fursten reiche

Pat man gar tugentliche

Die vrawen da tzu gaste

Da sach man widerglaste

Von mundelein und von wangen;

Mit perlein, porten, spangen

Di vrawen sich da tzirten

Und gen der lust vlorirten;

C h r o n, schapel unde chrentze

Sach man und vil der tentze.Auf einem (S. 274 abgebildeten) Glasgemälde zuSt. Erhard in der Breitenau in Steiermark erscheintHerzog Albrecht III. von Oesterreich (1365-1395) ge-nanntmit dem Zopfe" und dessen beide Frauen, Eli-sabeth die Tochter Kaiser Karls IV. und Beatrix Burg-gräfin von Nürnberg. Beide Frauen tragenKronen auf der Haube. Dass die Kronen die Damenals Fürstinnen bezeichnen sollen, wie Essenwein 1 )will, kann ich nicht einräumen. Die Krone als Ab-zeichen des Ranges entsprach der königlichenWürde. Aber nur die erste Gemahlin des Herzogsstammte aus königlichem Blute.

Hiernach kann es nicht überraschen, dass es denDamen hie und da gefallen hat, ihren Wappenschild anStelle des kriegerischen Helmes mit einer Krone zubesetzen.

Anna von Stubenberg geb. v. Pettau Siegel vomJahre 1372 5 ). Zwei Schilde von einer Krone bedeckt,welche Fürst Hohenlohe irrig als heraldische Krone be-zeichnet (Nr 395).

Frau Madien Ryffin (Reiff) des vesten Walther

1) Vergl. Hohmohe, sphrag. Aphorsmen S. 39.

2) Deutscher Herold 1875 S. 8<> u. Tafel. Die dortausgesprochene Vermuthnng:wohl vermählte Gräfinvon Ravensberg" ist nicht begründet.

3) Anzeiger f. K. d. d. Vorz 1835 S. 503.

4) Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1866S. 177.

5) Fürst Hohenlohe, sphrag. Aphor. S. 70 No. 196.Das Oliche verdanke ich Sr. Durchlaucht.