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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 5.

von Freising enthält ein Bild'), in welchem der dro-hende Zusammenstoss Heinrich's IV. mit seinem SohneHeinrich (später dem V.) bei Regensburg, dargestelltist. Nach der Art der Bewaffnung — Glockenhelmemit Nasenschutz — dürfte das Bild gegen Ende des12. Jahrhunderts, vielleichterst nach 1200 gezeichnet sein.Die Darstellung ist folgende: auf jeder Seite des FlussesRegen hält eine Schaar von Rittern, in kampfbereiterStellung. Die beiden Heinriche sind an den Kronenkenntlich, der Vater ist mit der Inschrift „Heinrichsenior", der Sohn mit Junior" bezeichnet. Die Schildeder Ritter sind ohne Wappenschmuck, der Schild desKaisers ist mit einem schwarzen Adler ge-schmückt, der Schild der jüngeren Heinrich zeigtSchrägbalken.

Dieses Bild hat selbstverständlich nur für die Zeitdes Malers Beweiskraft, nicht aber für die Zeit Hein-richs IV.

Einige Bracteaten des Kaisers Heinrich VI. ent-halten das Reiterbild desselben. Der deutlich ausge-prägte Schild zeigt kein Wappen, sondern nur den be-kannten Buckel mit Buckelreis.

Sein Bruder Philipp, welcher 1198 zum König er-wählt wurde, führt zum ersten Male den Adlerim Schilde, ausweislich eines Bracteaten mit seinemReiterbilde. Wie sich aus dem Folgenden ergiebt,nahm König Philipp für diesen Schild die Farben deshohenstaufischen Löwen (schwarz in Gold) an.

Reichlicher fliessen die Quellen über Philipp's Geg-ner Otto (Sohn Heinreichs des Löwen), welcher 1209als Otto IV. zum Kaiser gekrönt wurde. Thomasin vonZirclaria , ein Welscher aus Friaul, der sich acht Wo-chen und länger am Hofe des Kaisers Otto zu Romaufgehalten hatte, erzählt in seinem Wälschen Gast:10471 Do der her Otte was ze Lamparten

dem nu ist misselungen harte

und was ouch ze Börne komen,

als ir wol habt vernomen,10475 dö kom ich zuo den ziten dar

und was in sinem hove, deist war

wol ahte wochen und mere:

do misseviel mir harte sere

daz an sim Schilde erschinen gar10480 dri lewen und ein halber ar

ez was getan unmaezliche

bedenthalben sicherliche. u. s. w.Wir sehen den hier erwähnten Schild auch auf demRücksiegel IV. A. 2. der Kaiserin Maria, Wittwe desKaisers Otto IV. an einer Urkunde des Jahres 1258. 2 )

No. 369.

Der Schild stellt das Wappen ihres Gemahls des K.Otto dar: es sind drei Leoparden und ein Adler mono-grammatisch vereinigt.

Mit diesem Siegel haarscharf übereinstimmendist die Zeichnung des Wappens bei dem englischenGeschichtschreiber Matthäus Parisiensis') und glück-licher Weise erhalten wir von diesem Autor sowohleine Deutung, als eine Bezeichnung der Farben desWappens. Matthäus setzte nämlich unter den Schilddie Bemerkung: Scutum Ottonis imperatoris cujus me-dietas de scuto est Imperii, alia vero de scuto regisAngliae.

Den Schild beschreibt der Herausgeber wie folgt:gespalten, rechts in Roth drei halbe goldene Leoparden,links in Schwarz ein halber goldener Adler *).

Dass die drei Leoparden aus dem englischen Wap-pen stammen, ist allerdings unzweifelhaft.

Otto hatte 1190 von seinem Oheim König Richardvon England die Grafschaft York, 1196 die GrafschaftPoitou erhalten. Er nennt sich im letzteren Jahre:dux Aquitaniae et comes Pictaviensis, und wurde alssolcher am 9. Juni 1198 zu Cöln zum Römischen Königerwählt.

Dagegen kann der halbe Adler, da er den Leo-parden nachgesetzt ist, unmöglich das Reichswappen 8 )darstellen. Es ist der Adler, den er, wie oben darge-legt (S. 240) von seinen Bruder Heinrich übernommenhatte, und den er durch Aenderung der Farben (goldenin Schwarz) zum Widerwappen des hohenstaufischenAdlers stempelte.

Allerdings soll König Otto, nachdem vom Papsteseine Wahl bestätigt und die des Königs Philipp cassirtworden war, das Widerwappen umgekehrt haben. 8 ) Dochmöchte dieses geschehen sein, vielleicht erst nachdem Tode des König Philipp, als das Gegenwappennicht mehr existirte, und Otto IV. durch seine Ver-lobung mit der Tochter des Königs Philipp sich zumErben des Letzteren machte.')

1) Abgebildet bei: L. Stacke, deutsche GeschickteI. Bielefeld u. Leipzig 1880. S. 383.

2) Fürst Hohenlohe, sphrag. Aph. S. 21 Nr. 61 bDas Cliche verdanke ich Sr. Durchlaucht.

3) Matthäus Parisiensis „wurde im J. 1£17 Mönchvon St. Albaus und wegen seiner Bildung und Schreib-fertigkeit bald sogar bei Hofe und auf Missionenbeschäftigt." Erst vom J. 1235 ist seine Arbeit selbst-ständig; er benützte für die frühere Zeit die FloresHistoriarum des Roger von Wendover. Vermuthlicbist er bald nach 1259 gestorben. — Seine HistoriaAnglorum ist am besten von Sir Frederic Madden(London 1866) herausgegeben. Die Wappenmalerei desOriginals ist in Conturen-Zeichnung vortrefflich wieder-gegeben.

4) In the margin is drawn, in trick, the shield otütho, viz. on the dexter half (gules) three lions passant-gardant (or), impaling (sable), an eagle dispiayed (or)dimidiated on both sides; with a crown ahove.

Ganz missverstanden ist diese Beschreibung vonEd. Winkelmann (Philipp von Schwaben und Otto IV.von Braunschweig Band II. S. 498), welcher sagt: „imsenkrecht getheilten rothen Schilde rechts drei halbenach rechts schreitende Löwen, links ein halber schwar-zer Adler."

5) Dass dies Matthäus Parisiensis nicht hat sagenwollen, werden wir aus seinen späteren Zeugnissenersehen.

6) K. Otto, IV. ist auf einer Münze, deren Um-schrift ihn als Kaiser bezeichnet, im Reiterbilde dar-gestellt. Sein Schild enthält nicht das oben beschriebeneWappen, sondern lediglich einen Löwen. OhneZweifel ist diess der hohenstaufische oder herzoglichschwäbische (schwarz in Gold), da er nach K. PhilippsTod das Herzogthum Schwaben an sich nahm.

7) Matthäus Parisiensis schreibt: „Ao. 1199 Ut res