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Geschichte der Heraldik. II. 2.
No. Ml.
Wie das Kreuz das erhabene Sinnbild des deut-schen, so ist die Lilie das Sinnbild des französischenKönigthumes, unzweifelhaft ein Denkmal der Verehrung,welche der Schöpfer des französischen Königwappens fürdie Gottesmutter hegte. Das fragliche Bild wird schonim 13. Jahrh. ausdrücklich als Lilie bezeichnet. Mele-ranz führt sie als französischer Königssohn im Wappen(der Fleier 1260:)11925 den baniern man koste jach.
üz der bläwen man schinen sach
guldine liljen rieh
die fuort der künic von Francrich.Conrad v. Würzburg beschreibt das Wappen aus-führlich im Turnei v. Nantheiz:
Dar nach mit rotten wunneclich
uf disen turnei kam gezogt
der werden Kerlingaere vogt
als ein richer künic tuot
er fuorte wapencleider guot
von glanzer siden reine
dar üz golt und gesteine
der heide entgegen spilte.
er fuorte in sime schilte
durch höher werdekerte schin
fünfzehen liljen güldin,
die glizzen wunneclichen da
von Orient safire blä
den plan mit glaste zierten
dar üz die liljen smierteu
schön unde lobelichen gar.Desgleichen im Partonopier und Meliur 15134 ff:der Künec von Kärlingen:
der hete wäpenkleider an
mit eime purper. der was blä
beströuwet hie dort unde da
mit liljen rot von goldeDie Schwertlilie heisst im Mittelhochdeutschengloye, gleie, geleie mfr. glai. glaie fr. glai'eul, lat. gla-dius, gladiolus, woher die noch immer gebräuchlicheBezeichnung „Gleve" für die heraldische Lilie ihrenUrsprung haben mag.
Die heraldische Lilie unterscheidet sich von dernatürlichen nur darin, dass sie ohne Stiel und Staub-fäden abgebildet wird. Die Aehnlichkeit ergiebt sichaus nachstehendem Siegel des Komthurs Werner derMarienbrüder von Lengmoos an einer Urkunde desJahres 1227.'J (Siehe Nr. 142)
Die Rose ist das Sinnbild der Minne.Auf verschiedenen Schnitzwerken des Mittelalterswelche die Erstürmung von Minneburgen darstellen,führen die Ritter Rosen im Schilde. 2 )
Sig. IV. A. 2. des bekannten Minnesängers Ulrichv. Liechtenstein vom J. 1250:*) eine Rose, deren 5Blätter mit je einem Schildchen Liechtenstein belegtsind. (Siehe Nr. 143.)
1) Monatsblatt des Vereins „Adler" No. 13, Januar1882 S. 50.
2) Vergl v Eye u. Falke, Kunst u. Leben I. Taf. 45.3; Fürst Hohenlohc. sphrag. Aphorismen S. 06 Taf.
190. Anzeiger 1865. S. 10. — Das Clicb.6 verdanke ichSr. Durchlaucht.
Die Rose ist ein Abzeichen des Frauenritters.Für das Turnei von Neuburg liess sich Ulrich v.Liechtenstein die in folgenden Versen beschriebene Pferde-decke herstellen
mir was ein vil guot Scharlach bräht;
dar üz diu decke was gesniten
lanc unde wit nach meisters siten
gehowen meisterlich genuocMit borten gar von golde rieh
was si gegetert meisterlich
ie swa der gater zesamen gie
von silber rösen dort unt hie
warn dar üf vil wol geslagen
so daz ez muoste wol behagen.
der rösen was diu decke vol,
mit gel zendäl gefurrirt wol
No. 144.