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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

Figuren in der Mehrzahl wurden zumeist kreis-förmig, nach aussen geneigt am Rande der Oberflächedes Helmes geordnet. Ich nenne diese Anordnung dietrichterförimge.

Die hierzu erforderliche Vorrichtung hatte die Formeines wulstartigen Kranzes, welcher aus festem Material,Holz oder starkem Leder gebildet und oben mit denzum Einstecken der Figuren (Federn, Fähnchen) nöthi-gen Oeffnungen versehen war.

Ulrich von Liechtenstein beschreibt mehrere solcheKleinode die aus trichterförmig geordneten Federn be-stehen; z.B Helmschmuck des Li utfrit v.Eppen stein.

Sin heim gar lieht von golde was

und herte alsam ein adamas.

dar umb von vedem was ein kränz.

der kränz gemachet was vil ganz:

die vedem warn gelizen abe;

dar an gehangen richiu habe,

von silber bleter harte vil.

gebunden was an islich kil

von phäbesvedern ein koste') guot.

sus fuort den heim der höchgemuot

den höher koste nie bevilt.Desgleichen im J. 1240 (nach Ulrich v. Liechtenstein)Herr Otto von Missowe

Von Missowe der biderbe man

fuort alsölch zimirde an,

daz sin dem keiser waer genuoc

üf sinem helme der biderbe truoc

ein kränz von gaasvedern wiz:

sin helme geworht was wol mit fliz:Ferner Herr Kadolt Weise:

Sin heim was lieht alsam ein glas,

dar umb von drizen vedern was

gestözen ein vil witer kränz,

mit silberpletern kile glänz

was gemachet dar an vil.

gebunden was an islich kil

von pfänsvedern ein koste grozDie Kiele (jedenfalls aus Holz zubereitet) waren ver-silbert und oben an jeden Kiel Pfauenfedern gebunden.Dieser Kadolt Weise und sein Bruder Seifried wer-den auch in der gereimten Fürstenchronik des JohannEnenkel, eines Wiener Bürgers, erwähnt und ihr Wap-pen beschrieben, aber weder so genau noch so geläufig,wie von Ulrich v. Liechtenstein:

ir zimier von vedern wol berait

weit und schon alz man sait

die vedern waren swärcz getan

von gold gelaubert nicht nach wan.Ein sehr interessantes Federkleinod, ebenfalls einerhistorischen Persönlichkeit beschreibt der Herolds-dichter Heinrich von Freiberg in seinem Liede über dieBitterfahrt des böhmischen Ritters Johann von Michels-perg in Frankreich (um 1300). Derselbe führt imSchilde den böhmischen Löwen und auf dem Helm fol-gende zimier

Sin heim von brunem stahel klar

Gab lichten spiegel varben schin;

Ein krantz prislichen guldin

Cilest uf des helmes kröne 2);

Dar in gestecket schone

Vergolter gyres vedern vil;

Dar ( gehangen ane zil

Von golde wunenklich talier,

Der minnen zeichen, ein slogier

Vlouk ob des gyres vedern,

Den man da sach vledern

Gel siden unde wol geworcht.

1) = Quast.

2) Krone soll hier so viel heissen wie Oberfläche.

Der teuwer degen unervorchtDen heim gar ritterlichen bant.

Die Darstellung solcher Kleinode, die eine trichter-förmige Gestalt hatten, bot den Siegelstechern unge-wöhnliche Schwierigkeiten, da die Aufnahme wedervon vorn noch im Profil ein genaues Bild des Helin-schmucks gab.

Während man nun im Süden Deutschlands der-artige Kleinode so gut und so schlecht, als es anging,nach derNatur zeichnete, 3 ) griffen die Siegelstechernamentlich des nordwestlichen Deutschlands zu einemoriginellen Auskunftsmittel, das ein viel richtigeresBild des Kleinods, dem Helme aber eine unnatürlicheStellung gab. Sie fassten den Helmschmuck gleichsamvom Helme losgelöst, von unten auf und belegtendas einen vollständigen Kreis bildende Ganze desSchmucks in der Mitte mit dem so wie üblich gestell-ten Helm. Derartige Darstellungen finden wir in fol-genden Siegeln.

Helmsiegel (IV. B. ]) des Simon von der Lippe mitder Umschrift:t Galea Symonis de Lippia", als Rück-siegel an einer Urkunde von 1275.

Die Rose erscheint in einzelne Blätter zerlegt,diese in einen Fünfpass gestellt und in der Mitte mitdem Helme belegt.*)

Siegel IV. B. 1. des Ritters Otto de Bocwole aneiner Urkunde von 1322 5)

No. 62.

Es giebt auch trichterförmige Helmkleinode, dienicht aus einer Mehrzahl von Figuren bestehen, sondernein einheitliches Ganzes bilden.

Siegel des Gebhard Grote aus dem 14. Jahrh. Um-schrift: f S. Ghevehardi. De. Grothen. Miltis.

No. 63.

3) Man vergleiche das Siegel des Stephan v. Meissauan einer Urkunde von 1344, abgebildet im JahrbuchAdler IL S. 144. Mein verehrter Freund Herr vonWeittenhüler macht zu dem Siegel die Bemerkung,dass die Zahl der Federn sich stets auf sieben be-schränke. Da die Federn trichterförmig geordnet sind,so besteht der Meissauer Helmschmuck in Wirklichkeitaus 12 Gänsefedern.

4) Anz. f. K. d. d. Vorzt. 1875. S. 372.

5) Siegel des Mittelalter?, aus den Archiven der StadtLübeck Heft 3. Taf. 1. No. 8.