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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

von ihr gesagt werden, dass sie denselben mit einemleidenschaftlichen Eifer ausgebildet hat. Lange vorEnde des 13. Jahrhunderts war der Helmschmuck all-gemein in Gebrauch.

Die Gründe hiefür sind zum Theil praktischer, zumTheil ästhetischer Art: der Helmschmuck war plastischgebildet, er ragte in die Luft und wirkte nach allenSeiten. Dann aber begünstigte die Neuerung neueBildungen in fast unbegrenzter Weise und Hess demGeschniacke des Einzelnen den weitesten Spielraum.Nichts konnte dem Geiste jenes Jahrhunderts mehr ent-sprechen.

Bevor wir die Gestaltung der Helmkleinode prüfen,seien noch einige Mittheilungen über die Art-der äusse-ren und inneren Befestigung gegeben, worüber wir beiden Dichtern manchen interessanten Aufschluss finden.

Vor Allem ist zu bemerken, dass der Helmschmuckmit Bandwerk auf dem Helm festgebunden wurde.

Albrecht von Scharffenberg sagt imTitureV

1829 Waz die andern fvren vf helme vnd vf SchildenGestricket mit snvren, oder mit dem pen-sei dar vf gebildenDaz pruefen die der wappen roecke wartenHeinrich v. Freiberg sagt im Tristan (um 1300)2069 doch wart gestochen Tristantso krefticlich von Keien hantdaz die sträle guldinhin drete von dem helme sinDann heisst es:2135 von danne reit her Tristanwider üf den vorderen plansine strälen er da vant,uf sinen heim er sie bant.Es kommen auch besondere Vorrichtungen zur Be-festigung der Zimier vor

Die Weingarter Liederhandschrift bildet Schild undHelm des Herrn Willehalm von Heinzinburch ab. Derrothe Schild enthält eine s. Schnalle (die auch durchSiegel beglaubigt ist). Der Helm ist merkwürdiger

No. 65.

Weise von hinten abgebildet, was einen interessantenEinblick in die Art der Befestigung gewährt. DieSchnalle ist auf der Spitze einer Leiste befestigt, welchedurch einen breiten Querstab oder ein Brett auf derFläche des Helmes Halt bekommt, ausserdem aber durcheine ausgebogene Stahlspange des Helms oder durcheinen Kiemen gezogen ist; der rautenförmige Fuss derLeiste, ist unten in den vermuthlich übergebogenenRand des Helmes eingefügt.

Reich an Aufschlüssen dieser Art ist die Beschrei-bung von Lohengrin's Helmzier, wie sie in dem Lohen-grin-Liede des 14. Jahrb. gegeben wird:

er selb vuort üf dem helme sin

ein rote bark gesmelzt mit golde unt mit rubin

so was sin heim von liehtem stahel dar under.

nach dem swan der über se in bräht in einer barken,

also ein swan stuont hie enpor

in der barken üf dem heim da er mähte vor

den sinen pfat mit grözen siegen starken.

533 Der swan mit perlen was durchgraebtunde der ougen sehen mit saphier geblaebt;dar umbe von rubin unt von smaragde varwediu zwei teil golt gesmelzet drin

mit meisters kunst dar in verwieret starke.

535 Uz manegen tiuren stein bouchstabenwären meisterlich gevilet unde ergraben,ein kleine gesmelz von gold dar in florieret,diu schrift den ongen sihteclich

was, und das gestein so grözer krefte rieh

daz ez ze vreuden herze gnndewieret

swer ez lesen wolt, der vant dar an bediutet schöne

daz imz diu herzoginne wert

het gesant, diu siner kunft ze vreuden gert

so möht sin manheit geren richer kröne.

536 So was den andern nilit vermiten,

der swan waer von härm üf rot Scharlach gesniten

vuoz unde snabel geworht von klarem golde.

muost die zirkel umbe der ougen sehen sin

also er het verdecket al sin sarwe.

der swane staete in röte lac, daz wären rubin tiure

als imz diu herzoginne hiez

heimlichen vüeren. erz trureclichen liez

mit ander kost sant sie im daz ze stiure

534 Sint ich ez allez sagen muoz,

so het diu bark von golde einen starken

vuozder sie hoch von dem helme hetenpoeret.der vuoz üfin der barken giedurch den swan, den er mit vestenunge nie ;gar meisterlich diu bein dran wären

geroeretuf dem heim von golde lac ein kröne under barkeEs ist wohl anzunehmen, dass die Herstellung derHelme nicht fabrikmässig auf Vorrath, sondern aufGrund von Bestellungen bewirkt wurde Jedenfallshatte der Waffenschmied auf geeignete Vorrichtungenzur Befestigung des Helmkleinods Bedacht zu nehmen,wie dies anscheinend in dem vorliegenden Falle ge-schehen, oder als geschehen gedacht ist.

Figuren die in der Einzahl auf dem Helmangebracht werden sollten, fanden auf derflachen Oberseite ihren Platz

Siegel des Burggrafen Johann von Nürnberg aneiner Urkunde des J. 12981).

(Siehe Fig. 56, nächste Seite.)Das Kleinod ruht auf dem linken Seitenrande.Wäre das Schirmbrett gerade zu stellen gewesen, sohätte die Spitze zur Gewinnung einer hinreichenden,Fläche abgestumpft werden müssen.

Siegel IV B. 1. des Bernard von Plocek an einerUrkunde des J. 13U. Umschrift:f S. LSernardi. de.Ploceke" 2 ). Der ins Profil gestellte Helm trägt auf derScheitelstelle einen Flügel.

(Siehe Fig. 57, nächste Seite.)Figurenin derZweizahl wurden seitwärt»an der Schläfestelle befestigt.

Den Helmschmuck des Wilhelm von Wenden be-schreibt Ulrich von Eschenbach um 1300 wie folgt:3576 iet weder sit zwei venelinmit den zeichen guldinwiz man üf ir helme bantDa es sich um zwei Paare handelt, dürfte dieserHelmschmuck hier zu erwähnen sein

1) Monumenta Zollerana II, 253. Das Clicheverdanke ich dem Kgl. Geh. Hausarchiv zu Berlin.

2) Nach einer Zeichnung aus dem Nachlasse vonVossberg im Geh. Staatsarchiv zu Berlin.