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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

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5435 von bluomen alder weite,mit einem schoenen zeltewas diu wise gezieretvil wol geparelieretwas diu pavelüne her5440 mit hundert schilten, niht mer;die hingen nach ein ander gar,mit fremden wäfen missevarsi Iühten an daz grüene gras,ein kunegin uf der burc was,5445 diu hat den site üf geleitdurch eine fremede spächeit,ir gehügede zeiner stiureez hiez ir aventiureder hübschen küniginne5450 ez wären ir sinne

daz siu niemer man genaemeez enwer daz einer kaemefür ander man so wol gemuotder an den hundert rittern guot5455 von der schilten ich 6 sageteeinen seihen ruom hejagetedez ers alle nider staecheeines tages und also hraechedie äventiur ze Plüris5464 swelhes riters schilt geruort wart,der muos die erste juste nemendie andern muosten in gestemensin gesaehn wie im gelunge5496 er ruorte der seihen schilte einder an der pavelüne hienc.daz getwerc hin giencund saget daz ze inaereswes der schilt waere,daz der solte riten dan.Aehnliches erzählt Wirnt v. Oravenberch an derbereits oben S. 32 mitgetheilten Stelle.

Der Schild war das Lager des Ritters, wenn erausserhalb eines geschlossenen Raumes der Ruhe pflegenWollte.

In der Wilkina-Sage (um 1300) sagt der von einemDrachen geraubte Sintram:

Gute Helden, reitet herbei und helfet mir! Dieseswilde Ungethum riss mich im Schlafe von mei-nem Schilde

Todte Ritter wurden mit ihrem Schildehedeckt:

Wirnt von Gravenberch (1212) erzählt im Wigalois9946 Sus nam er urloup, und schiet danWider zu dem toten manDer dannoch uf dem velde lac,Des got mit siner hüte pflac9950 Vor vögeln und vor hundenSin ors daz was gebundenVil vaste an einer linden ast.Also gewafent lac der gast:Sin schilt was über in geleit,9955 Nach des landes gewonheit;

Daz swert under sinem houbet lacDesgleichen der Fleier im Garel (etwa 1260)92 zu dem chtinege Salatrias

da legten sie den chünech miltvnd dachten über in einen schiltDer Ritter empfing die Gabe seinesHerrnim Schilde, der Schild war also eine Art Zahl-brett oder Geldmulter.

Im Lanzelet des Ulrich von Zatzikhoven (vor 1200)heisst es:7706 im hiez diu künigin dar trageneinen schilt vollen goldesDesgleichen im Biterolf

6696 hiez er balde gäben

zer kameren da sin golt lac:üf einen schilt man es da wacswaz sin viere mohten tragen.und im Wigalois des Wirnt v. Gravenberch (um 1212)11250 Der ez von im nemen woldeMit gesteine und mit goldeFulte man in die schilteHerr Wigalois was milteBescheidenlich wider alle dietAn gäbe niemen von im schietFerner in Alpharts Tod (um 1300)201 Hervür hiez tragen der keiser silber unde golt.swer suochen wil die warte, der neme riehen soltgolt und edel gesteine, swaz uf Schilde mac gelegen.Endlich in der Wilkina-Sage (352. Cap)Da nahm sie seinen goldbeschlagenen Schild, undsprach: Guter Freund Iring, willst Du meine Schmachrächen, so gebe ich Dir diesen Schild voll des rothenGoldes, so meist Du ihn füllen magst."Aus diesen Gebrauche dürfte die sprichwörtlicheRedensart .über den Schildsrand rechnen" ent-standen sein. Ueber die letztere heisst es in Dietherr'sZusätzen zu Besold's Thes. Pract. unter dem WortSchild und Helm" :

Es scheint, dass der Niederländer Scilden, Mahlen,oder Schilden von den gemahlten Schilden herkommen,wie bey uns die Zeichen und Schild der Wirth zu sehen,dass in denselben ein Bild, darvon man das Hausbenamet, und zu sagen pfleget, der Wirth hat überden Schildsrand gerechnet, das ist, im Pausch zu vielgefordert.

In Jablonskie's Lexikon der Künste und Wissen-schaften (Leipzig 1767) : ) ist die Redensart auch er-wähnt:

.Schildsrand, Computns extensus, wenn einWirth oder Gastgeber den Gästen eine übermässigeRechnung machet, und sie im Pausch übert heuert,so heisst es, er habe über den Schildsrand ge-rechnet."

Die Schilde der Gäste wurden von denender Hausgenossen abgesondert aufgehängt.In der Krone des Heinrich vou dem Türlin (1220)heisst es:22554 Den recken tugentrichen

Si ze husgenözen enpfiengen:Sinen schilt sie hiengenUndr ir Schilde, voresteVon der stat, da die gesteAlle ir Schilde hiengen hinWohnten die Ritter in einem offenen Wirths- odereinem Bürgerhaus, so hiengen sie ihre Schilde über derThüre ihrer Herberge auf: Heinrich v. d. Türlin (1220)Ouch was da niden in der stat660 Von maneger hant paratRicher kurzwile genuocDa man die muzaere truocUnd die Schilde ze strazen hienc,Unde diu ors begienc665 Und die harnasch weitUnd die hehne beleitMit riehen crinäleuMan sach ze allen malenRiehen vröuden Überkraft670 Ez reit disiu ritterschaftDie stat üf und ze talKostbare Schilde wurden mit Tuch umhüllt,wenn sie nicht im Gebrauch waren.Im Nibelungenlied heisst es:

1) Band II. S. 1289