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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

Wappenwesen in Verbindung steht, unterliegt keinemZweifel. Positive Nachrichten über die Entstehung jenerBezeichnung besitzen wir nicht. Inzwischen können wiraus verschiedenen Aeusserungen mittelhochdeutscherDichter folgern, dass die Wache nicht bei den Schilden,sondern über die Schilde der Passanten gehaltenwurde. Ohne Zweifel wurden die Träger unbekannterSchilde angehalten.

Die älteste mir bekannte Erwähnung der Schild-wache, findet sich in Heinrich von Veldek's Eneide(1184—113G) wo es heisst198, 18 sim marschalke her gebotunde hiez gebietendez si daz berietenunde holfen ahtenumb die schiltwahte.her hiez siz also ane vandaz ez worde haz getandan des nahtes da bevoren.und im Nibelungenlied:

Do sproch der videläre.15205 Volker der degen

versmahtez iv niht Hagene.so wolde ich mit iv pflegender schilt wache hiutevnze morgen frvoSehr instructiv sind insbesondere die folgenden Aus-sagen, zunächst des Wolfram v. Eschenbach in Wille-halm (um 1215):

105, 19 nu was diu schiltwacheal umbe daz her mit krachemit mancher sunderstorje 1 ) grözder marcräve anderstunt genözArofels wapen diu er truocdes hers im widerreit genuoc:25 si sprächen her unde da

„diz ist der künec von Persiä"in nert ouch daz er heidensch sprach,unverzagt er marcte unde sacheine sträze dier rekandegein der Franzoyser lande.Conrad v. Würzburg erzählt im Partonopier19786 er pflac der schiltwahte

mit tiisend mannen wol bereitund ersach daz wäpenkleitdaz an im fuorte WaltherEs folgt demnächst die Beschreibung von Walther'sSchild:

da bi so wart dem künege schindaz ein getonfet ritter darwas komen zuo der beiden scharund in da gerne schaden täteda von BÖ mante er an der stetemit lüter stimme schalledie tüsend ritter alleIn Alpharts Tod (um 1300) wird erzählt, wie deralte Hildebrand der Schildwache pflegt:

337 „Nu sint uns vremde geste komen in daz lant usprach der getriuwe veste meister Hildebrant.„ n ft t w i n g e t mich diu v i n s t e r " sprach der

küene man,„daz ich ir an den Schilden noch an denwafen niht erkennen kan.(Die Helden kommen in der Nacht vor das verschlosseneBern.)

387 „diu stat ist beslozzen" sprach Hildebrant der degen„ich wil der schiltwahte williclichen hie pflegen."

388 Dö täten si vil gerne des si der aide bat.si legten sich ze velde vür Berne die stat.

manec viur si üf sluogen die helde über alsich huop ze beiden siten ein vil lüter schal.389 „Die schilde keret nmbe nider üf daz laut

daz tuon ich dar umbe" also sprach Hildebrant„daz uns nieman erkenne ir stolzen helde guot.Folgende Stelle aus einer Handschrift des Rosen-garten mag an Stelle eines Besseren ein Beispiel geben,wie die Schildwache gehandhabt wurde, obgleich eshier der Pförtner eines Klosters ist, der Schildwachepflegt:

137 „Wizzet ir" sprach Hildebrant „waz uch min

bruder swurdo min brüder Ilsän in sin clöster vür?er gelobte ücli eine reise und swürs üch einen eiter wolde üch sin ummer zu einer hervart bereit."„So wil ich nach im riten" sprach dö her Diterich

Hildebrand clopht an die phorten: „balde lä mich in150 ich wil in deseme clöster ein predeger brüder sin"„warte vor di phorten, warte wer da si."„da vor helt ein alder man, der hat am schilde

wolfe dri."„Wäfen" sprach der monech „daz ist [min bruder]

Hildebrantwaz Schildes vürt der ander, hästü daz icht bekant ?155 „daz ist ein starker junger man, dar fürt einen lowenich gehört vor deseme hüse niman so vil gedrowennoch bi minen geziten niman so torsteclich.„her mac iz wol volbrenge, iz ist von Bern her

Diterich."Im hohen Grade merkwürdig ist es, dass sich dieBezeichnung „Schildwache" nach Abschaffung der Schildeals Kriegswaffe noch 500 Jahre hindurch für verwandteEinrichtungen der modernen Armeen bis zum heutigenTage erhalten hat. Einen Zusammenhang mit demWappenwesen werden allerdings die Wenigsten hinterdem Worte suchen. Doch scheint der vortrefflichePrälat J. P, Hebel daran gedacht zu haben, wenn erin einer seiner Erzählungen vom Zundelfrieder^) (diebekanntlich ganz moderne Stoffe behandeln) sagt:„Als ihn hier die Schildwache anhalten wollte werer sei und wie er hiesse und was er im Schildeführe . . ." —Das Berühren des Schildes mit der Lanze, war eineHerausforderung zum Zweikampf. 3 )

Vir. v. Zatzilchoven (1200) erzählt im Lanzelet5429 Nu ist Lanzelet bereit,im ist von Plüris geseit,ez si ein schoeniu burc vast,erbüwen daz ir niht gebrast.dar under lac ein market guotda bi ein beide wol gebluot

1) storje =: Kriegerschaar.

2) sie stehen in seinem „Schatzkästlein."

3) In veränderter Form erscheint der Brauch, denSchild zu berühren, noch in sehr später Zeit.

In dem Ausschreiben des Turniers zu Bintz in denNiederlanden (1549 zu Ehren des Kaisers Carl V. gehal-ten) heisst es:

„Damit man wissen möge in welchen Wehren einjegklicher thurnieren wil, so werden zu ende derSchrancken an vier darzu geordneten seulen, vier Schilt,die drey nach lengs gleich abgetheilt, hangen. Nem-lich, in dem ersten wirt auff einer seifen ein langerSpiess, vnd auff der anderen ein Kürissschwerdt, Imandern gleicher gestalt ein Keissspiess, vnnd das hinder-theil desselben, Vnd im dritten ein Scheffelin vrjdSchlachtschwerdt, Im vierdten aber, so nit geteilt, einStreitaxt gemalet seyn. Welche Schilt, es sey eineroder mehr, die so thurnieren wollen, anrüren müssen,damit anzuzeigen, in welchen Wehren sie streiten wollen."