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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. II. 1.

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des Albrecht von Scliarffenbcrg angedeutet gefunden;1663 heisst es von einem Schilde:

Oh den nageln gevieretIn einer historischen Dichtung, Ottokar Horn-eck's Bcimchronik wird der Schild des Königs Wenzelvon Böhmen besehriehen, gelegentlich des Besuchs, denihm Herzog Albrecht von Oesterreich macht, um einBündniss gegen den Römischen König Adolf zu schliessen.Es heisst da:

Und das die Nägel solden seyn

Daz waren vier ruh ein.Der etwa zur selben Zeit lebende Dichter desIieinfrit von liraunschweig weiss nichts mehr vom Bu-ckel und den vier Nägeln. Er erzäht dagegen:1781!) hat sins speres Schaft gezielt

bi dem riemen da der schilt

mit stricke hat genomen haft

da von daz sper und ouch der schaft

sieh nähe ze der hende bugen.

iedoch ez brach, die trunzen fiugen

zerspritzet gen den lüften.Belehrend ist diese Aeusserung immerhin , da wirim Zusammenhalte aller oben mitgetheilten Aussagendeutlich erkennen, dass der Buckel, die vier Nägel unddie Befestigung der Scliildfessel mit einander im Zu-sammenhang standen. Die vier Nägel hielten den Bu-ekel auf dem Schilde fest; sie waren jedenfalls auf derRückseite festgenietet und dienten zugleich zur An-bringung der Scliildfessel, mittelst deren der Schildregiert wurde, Daher heisst es in dem obigen Citataus der liabenschlacht V. 90 ff., dass die reichen Buckelden recken vor ir haut zerbrochen worden seien.Als völlig erwiesen kann ich erachten,

1. dass der Buckel noch lange nach dem Auf-kommen e r b 1 i c h e r S c h i 1 d z e i c h e n zur Schild-befestigung gebraucht wurde; bei dem Pleier,einem Dichter aus der zweiten Hälftedes 13ten Jahrhunderts bildet die Ver-wendung des Buckels noch die Regel.Auch bei Conrad von Würzburg (t 1287) kommtderselbe vor.

2. dass der Buckel im 13ten Jahrhunderteine heraldische Bedeutung nicht hatteund kein wappenmässiges Bild war.

Das späte Vorkommen des Buckels hat FürstBohenlohe durch ein dem wirklichen Leben entnomme-nes Beispiel bewiesen. Derselbe schreibt:

Auf dem Grabstein des berühmten Helden undMinnesängers des Grafen Albrecht von Haigerloch

Nr. 42.

und Hohenherg welcher 1298 im Kampfe beiLeinstetten fiel, von da nach Kirchberg bei Hai-gerloch gebracht und in dem dortigen Klosterbeigesetzt wurde, sehen wir nebenstehenden Wap-penschild (Fig. 42) mit dem bekannten Hohen-berg'sehen Wappen, dem von Silber und Rothgetheilten Schild, und darüber 6 Lilienstäbe, ähn-lich dem Cleve'scben Wappen, nur mit dem Un-terschiede, dass hier der Umbo, aus welchem dieStäbe hervorgehen, ganz deutlich zu erkennenist. Der Umstand, dass Graf Albrecht im Kampfegefallen war. erklärt hinlänglich, dass der Stein-metz seinen wirklichen Schild und nicht blossden heraldischen auf seinem Grabsteine ab-gebildet hat." ] )Es bleibt noch zu beweisen:

dass das Buckel reis wo es phragis tischim 13 ton Jahrhundert vorkommt eineheraldische Bedeutung nicht hat t e, d. h.ein wappenmässiges Bild nicht gewe-sen ist.Dafür spricht vor Allem der Umstand, dass diejenigeWappen-Figur, welche unzweifelhaft auf das Bu-ckelreis zurückzuführen ist, stets in Verbindungmit einer anderen Figur vorkommt. 2 )

Das bekannteste dieser Wappen ist das von Cleve,welches offiziell 3 ) beschrieben wird:

Im rothen Felde ein silbernes Schildlein, aus wel-chem acht goldene Lilienstäbe in Form eines gemeinenund eines Andreaskreuzes hervorgehen."

Schon der hochverdiente Frhr. L. v. Ledebur') sagte(1842):

Der sogenannte Clevesche Lilienhaspel ist offenbaraus der soeben erst bei Magdeburg beschriebenen 5 ) Bil-dung der Schilde hervorgegangen wie wir sie bald inder Form einer Rose, eines Sterns oder mehrfacher Aus-strahlung von dem umbo aus auf Siegeln des 11. und12. Jahrhunderts allgemein finden. Eine Bestätigungdafür, dass wir es hier ursprünglich mit einer eigent-lich heraldischen Figur keineswegs zu thun haben, fin-den wir einmal darin, dass Herzog Casimir von Pommern

1) Im Herold 1873. S. 3 f.

Herr H. Zeller-Werdmüller hat im Herold

(1877 S. 108) gegen diese Auffassung seine Bedenkengeltend gemacht.Ob die eigentlichen Kampfschildewirklieb nach Aufkommen der Wappenzeichen noch miteinem Beschlag belegt wurden, oder ob in den ange-führten Fällen dem Beschlag doch eine heraldischeBedeutung inne wohnt, ist fraglich, doch möchtedarauf aufmerksam zu machen sein, dass, soweit be-kannt, auf Miniaturen des 13. und 14 Jahrhundertssolche Schildverstärkungen nirgends mehr dargestelltsind." Diese Bedenken sind indess gegenüber den obi-gen Belegen nicht aufrecht zu erhalten.

2) Die einzige Ausnahme, die ich kenne, bildet dasWappen von £imppadj im Chünenberg'schen Wappen-buch fol. 194. Hier erscheint ein goldener Lilienhas-pel im rothen Felde. Indess ist dieses Wappen wohlnicht so alt, um hier in Betracht kommen zu können.

3) Kgl. Preussische Verordnung über Wappen undTitel vom 1«. Aug. 1873.

4) in den Streifzügen durch die Felder des Kgl.Preussischen Wappens" Berlin 1842 S. 45.

;")) Die betroffende Stelle lautet:

(In dem Siegel des Domcapitels Magdeburg vomJ. 1200 zeigt sich im Schilde des heil. Mauritius)nichtsAnderes, als jene vom Oentralbuckel des Schildes nach4 Seiten hin ausstrahlende Klammer, wie sie im 12. Jahr-hundert, bis wohin das Siegel zurückreicht, allgemeinüblich ist."