Geschichte der Heraldik. I. 3.
39
als mit vergoldeten Zinnen, über den Zinnen im blauenFelde ein weisser Hund.
Der Herold hat einen Stab so gelb und blau ge-wesen in seiner Hand geführet. Nach besatzter Ehren-Taffel sind die Trommeten aufgeblasen und Heer-Drum-melu aufgeschlagen, und unter dem Blasen die Partendurch den Herold aufgeführet worden."
Aehnlich wird die Kleidung des Herolds in einemProtokoll vom 2./12. Septbr. 1684 geschildert, nur istdas Wappen das Chursiicbsische ').
11. Capitel.
Untergang iler Herwlditwürde.
_ Die Herolde verschwinden fast spurlos aus der Ge-schichte. Die Herolde, welche noch hie und da im18. Jahrhundert vorkommen, sind kaum mehr berufs-mässige Beamte. Es wurden höchstens bei Festlich-keiten oder besonderen Gelegenheiten beliebige Personenals Herolde ausgekleidet.
Als im J. 1745 der Schlesische Friede ausgerufenwerden sollte, liess sich Hofrath Klaubert zum Heroldbrauchen. Der Herolds-Habit von Violet - Samtnet mitgüldenen Tressen besetzt, nebst dem Federbusch undHeroids-Stab, welchen derselbe getragen, wurde in derBerliner Rüstkammer aufbewahrt'').
Die Ausklänge dieser alten Institution bestehen infolgenden Aeusserungen heraldischer Autoren:
Rudolphi schreibt (1698) S. 20.
„Heut zu Tag aber ist ihr (der Herolde) Ansehensehr gefallen, und nirgend mehr grösser als in Frank-reich, indeme sie in Teutschland selten mehr gebrauchtwerden, ausser bei öffentlichen Ceremonien, oder wanndenen Ständen, vom Kayser oder Reichs wegen etwaszu insinuirn ist, als die Re ich s-Ach t und dergleichen,wie aus denen Exempeln der Stadt Erfurt und Bremenerhellet."
Ferner Estor (Anenprobe) 1750 S. 475:«Statt der alten Herolde hat man nun die cere-moniensten meister und die heutige herolde thun dasJenige, was ehedem den persevanten oblag. Zu selbigenZeiten sollte sich ein adelicher nicht unterstanden haben,auf seinem sigel oder pferde- zierat mit einer kröne,statts des heims, oder gar einem schildhalter aufgezogenzu kommen."
Endlich 'bemerkt der Reichshofrath Frh. v. Sencken-berg 17G1 ')■_
„Wie dann noch heutiges Tages bey der Reichs-kanzley ein Wappen Inspector ist. Dieses Amt hatnicht mehr alles dasjenige zu besorgen, was ihm ehedemobgelegen hatte, sondern nur die Ueberbleibseln davon,daher dann auch niemand als der Wappenmahler unterrtm stehet."
12. Capitel.
Ansichten über den I rgftriing; derHerold* würde.
Die erste mir bekannte Untersuchung über denq S Prung des Herolds wesens ist von Aeneasövl vius Piccolomini in einem Briefe an Johann
TV? C . iu 'l )zov . Oberlausitzischer Ehrentempel (1719)
2) Küster, Altes und Neues Berlin S. 569.
a) Vorrede zu Oetters Wappenbelustigung I. S. 4 f.
Hinderbach, Königlichen Secretär, d. d. Vienna Cal. Jun.1451. Die Ueberschrift des Briefesi) lautet:
Heraldorum nomen et officium unde exortum sitEpist. CXXVI.Aeneas Dei Gratia Episcopus Senensis, Domino JoanniHinderbach Secretario regio et amantissimo fratriDer damals kaum seit 75 Jahren in Deutschlandübliche Titel „Herold" wird von dem Verfasser aufdie Heroen der. Alten zurückgeführt. Seine ganzeUntersuchung berührt also das Wesen der Sache fastgar nicht. Gegen den Schluss seines Briefes meint er,wie Alles auf der Welt entarte, so werde der Titel„Herold" heute von Leuten geführt, die niemals Kriegs-dienste geleistet haben. Erlangten doch auch Unge-lehrte den Doctorhut, und Leute, die niemals ein blossesSchwert gesehen haben, die goldenen Rittersporen!
Die nächste Untersuchung ist von einem Heroldselbst angestellt:
Eyn kurtzer begriff vnd anzeygung: wie erstlichdurch Mosen den göttlichen Heerfürer, vnnd nach-uolgens durch Römische Keyser künig vnd grossmech-tige Fürsten, das ampt, nam vnnd beuellie der Eren-holden auffkummen, in wesslichen standt gebracht vndgehalten worden. Anno 1524. Mos prineipum estvetusta mirari. Non sine labore. (40. 10 Blätter ohneDruckort\
In der Widmung an den Landgrafen Philippvon Hessen unterzeichnet sich der Verfasser, CasparSturm Erenholt genant Teuscbland. Was der-selbe von Moses, Dyonisius, Hercules, Alexander Magnus,Julius Imperator, Octauianus Imperator, und KeyserCarolus Magnus sagt, können wir füglich übergehen.Dagegen dürfte Folgendes von Belang sein.„Keyser Sigismundus.„Ferner erfindt sieh das zu zeiten, weylandt hoch-loblicher gedechtniss keyser Sigismunden dis ampt derErenholden vnd yre personell in grossem gebrauch vndachtbarkeyt gewest, Dann in dein Concilio zu Costentzdie selbigen sampt yren dienern in die x 1 v personellyre ampter zu verwalten, vnd den selbigen vor zu seingebraucht worden, Als die verzeychniss gemelts Con-ciliums klärlich einhelt.
„Keyser Maximilianus.
„Dergleichen zeyget auch des hochberumptestenKeyser Maximilians erlicher vnd lobwirdiger geschichten-buch an vnd füret in eyn person des Erenholden, mitmeldung was seins amptes Condition vnd beuelhe sei,ongeuerlich mit disen Worten.
Der Erenhold bedeut das gerücht vnd gezeügnissder warheyt, So eynem yeden menschen biss in seingruben nach volgt, sie seien gut oder böss, darumbwirt er dem iungen Fürsten Teuwerdanck für vnnd fürzu gestelt, sein leben, wesen vnd gethateii zu offen-baren vnd zu bezeugen mit der warheyt
Das sein die begnadungen , freyheiten vnd herlich-keyten , domit die Erenholden erstlich, vnd also nach-volgens von den Keysern vnd Küiiigon von eynem zudem andern, zu vnderhaldung yrs ampts begnadt, be-gabt, gefreiet vnd bezeugt sein worden. Wie dannauch auff disen tag in den landen vnd künigreichennämlich Hispania, Franckreich , Brytania , Engellandt,Schotlandt vnd Denmarck etc. die Erenholden laut ohangezeyten Priuilegia so erlich vnd löblich gehalten,jren personen nit alleyn. sunder den Künigen , Fürsten
1) Abgedruckt in:
Aeneae Sylvii Piccolominei Senensis, qni post adep-tum pontificatum Pins ejus nominis seeundus appellatnsest, opera, quae extant omnia.
Basilicae, ex officina Henricpetrina (1571) fol.