777
Section I. Papierzeug, Pappe, Papier.
Nach dem Keegan’schen *) Verfahren werden Holzstücke mitcaustiscker Alkalilauge unter hydraulischem Druck zuerst imbibirt,darauf in einem mit einem Mantel umgebenen Cylinder, welcher wäh-rend dessen , um eine zur Cylinderachse senkrechte Welle rotirt, circazwei Stunden auf 300 Grad F. erhitzt. Der Dampf tritt in den zwi-schen dem Kessel und dem Mantel vorhandenen Raum. Als Vortheil tdieses Verfahrens wird einerseits die kurze Dauer des Processes undandererseits der geringe Verbrauch von Alkali bezeichnet.
Bei dem älteren Sinclair’schen 2 ) Verfahren wird ein mit einemSiebcylinder ausgekleideter, aufrecht stehender Kessel benutzt, welchervon den Flammengasen einerFeuerung umspült ist. Am oberen Theiledes Kessels befindet sich ein Mannloch zum Einbringen des Holzes,am unteren Theile eine Verschlussvorrichtung zur Entfernung des ge-kochten Stoffes. In diesem Behälter wird das zerkleinerte Holz mitNatronlauge unter starkem Dampfdruck gekocht.
Nach einem von demselben Erfinder verbesserten, durch Nicolin Glasgow vertretenen Verfahren erfolgt die Kochung des Holzes mitder Lauge an Stelle des directen Feuers durch hochgespannten Dampf.Zur Erzeugung dieses Dampfes dient ein aus schmiedeeisernenRöhren zusammengesetzter Dampfgenerator, bei dessen Benutzungnicht, wie bei den gewöhnlichen Dampfentwicklern, gefahrvolle Explo-sionen zu befürchten sein sollen.
Der mit Alkali gekochte Stoff wird nach erfolgter Abpressung mitChlorkalk im Holländer gebleicht und im Uebrigen wie gewöhnlicherPapierstoff behandelt.
Das gegenwärtig nunmehr mehrfach fabrikationsmässig durch-geführte Verfahren gipfelt darin, dass das Holz zuerst durch entspre-chend leistungsfähige Vorrichtungen in Stücke von möglichst gleich-förmigen Dimensionen, welche eine gewisse Grenze nicht überschreitendürfen, zertheilt und darauf bei einer einem Drucke von 10 bis 12Atmosphären entsprechenden Temperatur mit starker caustiscker Natron-lauge behandelt wird. Auf möglichst vollständige Wiedergewinnungder in der Lauge enthaltenen Alkalien ist mit Sorgfalt Bedacht ge-nommen. Die benutzten Apparate müssen einen regelmässigen, gutin einander greifenden Betrieb zulassen.
Bei der Construction einer geeigneten Schneidevorrichtung, warenvielerlei mechanische Schwierigkeiten zu überwinden, und auch dieHerstellung geeigneter Kochkessel, welche mit Sicherheit einem Druckevon 10 bis 12 Atmosphären Widerstand leisten können, bot Schwie-rigkeiten dar, die indessen gleichfalls als im Wesentlichen überwundenerachtet werden können.
x ) Dingler’s Journ. Bd. 208, S. 316. — 2 ) D ingier’s Journ. Bd.- 204,S. 342; Bd. 206, S. 235.