Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
765
Einzelbild herunterladen
 

äi

I fi ä!

Section I. Papierzeug, Pappe, Papier.

765

Nach dem von J. Dixon angewendeten, demselben in den Verei-nigten Staaten von Nordamerika 1864 patentirten Verfahren, wird zurVerarbeitung von Stroh oder anderen vegetabilischen Stoffen ein stehender,circa 15 Fuss hoher, mit Siedböden versehener Cylinder angewendet,welcher das Stroh aufnimmt. In den oberen Theil des Cylinders mündeteine in einer Feuerung befindliche Spirale, welche bis zum unterenEnde desselben reicht. Die in letztere unten eintretende Lauge wirddurch die Feuerung erhitzt, strömt in den Kessel zurück und circulirtvon Neuem. Dieses Verfahren erscheint mit Rücksicht auf die leichteintretende Verstopfung der Spirale nicht praktisch.

M. Cresson legt bei dem ihm in den Vereinigten Staaten vonNordamerika unter dem 11. Juli 1871 patentirten Verfahren besonderesGewicht auf ein vorgängiges Auskochen des Strohes mit reinem Wasser.Es soll durch diesen vorbereitenden Process dem Strohe schon einebedeutende Menge, 12 bis 20 Proc., der incrustirenden Substanz ent-zogen, und dadurch eine sehr wesentliche Ersparniss an Alkali erzieltwerden.

Morris L. Keens Verfahren, welches in England unter dem29. December 1870 patentirt wurde, hat mit dem Cressonschen grosseAehnlichkeit. Auch hier wird das Stroh mit Wasser, event. unter Druckzunächst extrahirt und dann mit starker Alkalilauge unter Druck aus-gekocht. K e e n benutzt zur Ausführung seiner Kochoperationen einencylindrischen, um eine zu dessen Achse senkrecht gerichteten Wellerotirenden Behälter, in welchem Ein- und Ausströmungsvorrichtungenfür Dampf und Flüssigkeiten angebracht sind. Diesen Kessel umgiebtKeen behufs Verminderung des Niederschlages mit einem durch Dämpfeerhitzten Mantel, und bringt im Innern desselben Ringe von Metall-compositionen an, durch welche, in Folge eintretender elektrischerActionen, das Eisen vor dem Angriffe durch die aus dem Strohe extrahirtenStoffe bewahrt, insbesondere das Fleckigwerden des Strohstoffes verhin-dert werden soll.

Die gegenwärtig in der Praxis angewendeten Methoden zur Fabri-kation des Strohzeugs kommen im Grossen und Ganzen auf die vorste-hend beschriebenen Operationen zurück, und auch mehr oder wenigerden beschriebenen ähnliche Vorrichtungen werden gegenwärtig für denin Rede stehenden Zweck benutzt.

Alle Verfahren haben als letztes Ziel die möglichst vollständigeBeseitigung der incrustirenden Beistoffe des Strohes und der vorhan-denen Kieselsäureverbindungen, denn nur eine von den Beistoffen befreiteFaser ist gut filzbar und nimmt den zur Bereitung feiner Papiereerforderlichen Bleichton an.

Eine sehr wichtige Rolle spielen hierbei die Temperaturgrade,hei welchen das Stroh mit der Lauge behandelt wird, sowie die nachder Kochung auszuführenden Waschprocesse, welche eine besondere

W\