Section IV. Musterzeichnen und Decorationsmalerei. 747
Unter diesen stehen durch stilgerechte Entwürfe für Malerei undDruckerei in erster Linie Professor Ferdinand Lieb, dann SodoniaVater und Sohn, von welchen namentlich der Letztere, der aucheine Frauenarbeitssckule leitet, auf stilvolle Zeichnung ausgeht. Meh-rere von den übrigen Ausstellern hatten anerkennenswerthe Entwürfefür Papiertapeten ausgestellt, viele arbeiten aber auch für den Tages-bedarf, namentlich der bedruckten Stoffe für das Landvolk. Die bestenkunstgewerblichen Entwürfe auch anderer Gattung, z. B. Möbel undGeräthe, hatten einzelne Zöglinge der Kunstgewerbeschule des Museumsfür Kunst und Industrie am Stubenring ausgestellt.
Unter den gestickten Weisswaaren aus der Schweiz hatten sicheinige Vorhänge durch geschmackvolle Zeichnung bemerklich gemacht;die Entwürfe dazu waren aus der Zeichenschule des kaufmänni-schen Directoriums in St. Gallen hervorgegangen.
Verbreitung durch, den Buch- und Kunsthandel. Es ist der ein-schlägigen buchhändlerischen Unternehmungen bereits in der I. Sectiongedacht, wir wollen hier nur im Allgemeinen erwähnen, dass auchin dieser Richtung Frankreich in erster Linie steht mit seinenebenso zahlreichen als geschmackvollen Werken über decorative Kunst,unter welchen als besonders hervorragend Racinet’s L’Ornement ‘poly-chrome (Paris, Didot), daneben die W erke von Dumont, Julien, Riesler,Lienard, Carot und Anderen sind. England hatte nichts ausgestellt,obwohl es so schwer wiegende Werke aufzuweisen gehabt hätte, wieOwen Jones Grammar of Ornaments.
Im Deutschen Reiche ist es wieder namentlich der Süden und ausdiesem wieder Stuttgart, das durch seinen Buchhandel vertreten ist.Unter den Erzeugnissen sind die zwei Zeitschriften „Die Gewerbehalle“und neuerdings „Das Kunsthandwerk“ zu nennen, denen sich die „Ver-öffentlichungen des Kunstgewerbevereins in München“ und das von demunter der Leitung C. Stegmann’s stehenden bayerischen Gewerbemu-seum in Nürnberg herausgegebene „Kunst und Gewerbe“ anschliessen.Aus dem Norden sind zu erwähnen: die Vierteljahrsschrift „Die Kunst imGewerbe in Hannover“ (Cohen & Risch). Aus Berlin die zahlreichenWerke vom Prof. Böttcher, welche der Berichterstatter jedoch nicht inWien entdecken konnte. In Oesterreich sind namentlich für das Kunst-gewerbe fördernd die Publicationen des, Museums und die von Valen-tin Teirich redigirten „Blätter für Kunst und Gewerbe“.
Allgemeiner Ueberbliek. Ueberblickt man die Resultate derkunstgewerblichen Ausbildung der verschiedenen Nationen in den .ver-schiedenen kunstgewerblichen Productionen und wirft man die Frageauf, welche Nation in der gewerblichen Production, d. h. solcher, welchedurch Geschmack und Zeichnung, Farbe und Form erst ihren Werth