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Gruppe XII. Graphische Künste.
England war nur durch einen Aussteller vertreten, der jedocheinen um so gewichtigeren Namen trägt, Owen Jones. Die Jury sagt,indem sie dieErtheilung des Ehrendiploms an Owen Jones empfiehlt:„Wir stellen den Antrag weniger wegen der Zeichnungen, durch welcheer auf der Ausstellung vertreten ist, als wegen seiner hervorragendenVerdienste um die Hebung des guten Geschmacks hei Künstlern, Pro-ducenten und Consumenten nicht nur in England, sondern in der gan-zen gebildeten Welt, welche von ihm erreicht wurde: einestheils durchFeststellung von Principien in den verschiedenen Zweigen der Kunstund ihrer Anwendung auf die Kunstinclustrie, anderentheils durch dieHerausgabe vorzüglicher Werke über Ornamentik mit erläuterndem Text(„Alhambra“; Grammar of Ornaments etc.), welche zuverlässige Weg-weiser sind und eine wahre Fundgrube mustergültiger Beispiele inForm und Farbe für die ganze zeichnende Welt bilden.“ Wir wissendem nichts hinzuzufügen.
Wie alle Länder, mit Ausnahme Frankreichs, mit kunstgewerb-lichen Entwürfen entweder sehr sparsam oder gar nicht vertretenwaren, so zählt das Deutsche Reich nur zwei Aussteller, welchebesonders hervorgehoben zu werden verdienen. Als ersten nennen wirden Kunstgewerbeverein in München, vormals Verein zur Aus-bildung der Gewerbe, dessen Ausstellung vollkommen den im Katalogangegebenen Tendenzen entsprach. Dann haben wir zu erwähnen Frie-drich Fischbach in Hanau als einen Künstler, der sich grosse Ver-dienste um die Einführung geschmack- und stilgerechter Muster, nament-lich in der Weberei und dem Tapetendruck, erwirbt. In Betreff wei-terer Künstler dieses Faches, welche einzeln oder wie Seitz und Töpfermit dem Kunstgewerbeverein in München collectiv ausgestellt haben,verweisen wir auf die Preisliste.
Fragt man nach dem Grunde, warum das Fach des gewerblichenZeichnens, zumal von Deutschland, so spärlich vertreten war, so dürftediese Erscheinung sich daraus erklären, dass bei dem Mangel einesMusterschutzes in unserer Gesetzgebung die Fabrikanten für Zeichnun-gen und Modelle wenig oder nichts „anzulegen“ pflegen. In . Folgedavon verschmähen es wieder die Künstler von einiger Bedeutung, sichdiesem wenig lohnenden Kunstzweige zuzuwenden. Es liegt doch offen-bar ein Widerspruch in dem Verfahren der deutschen Regierungen,wenn sie einerseits Kunstgewerbemuseen mit kostbaren Sammlungenund Kunstgewerbeschulen mit einem kostspieligen Lehrerapparat insLeben rufen und eine Menge junger Talente dem sogenannten Kunst-handwerke, um dieses zu heben, zuführen, welches jedoch seine Jüngernur kümmerlich wird nähren können, so lange seine Erzeugnisse nichtdesselben Schutzes theilhaftig sind, wie jedes andere geistige Eigenthum.
Das Bedeutendste, was Oesterreich in diesem Fach zur Ausstellungbrachte, war die Collectivausstellung der Musterzeichner in Wien.