Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
738
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Gruppe XII. Graphische Künste.

gewissen Handgriffen heiss gewaschen und das dann erzielte Reliefgalvanoplastisch abgeldatscht wird. Dieser Abklatsch bildet die helio-graphische Druckplatte. Behufs der Uebertragung auf Stein wird, dieCopie auf Leimchromat mit fetter Schwärze eingewalzt, gewaschen undauf Stein in autographischer Manier übertragen. Die Vollendung derArbeiten beruht jedoch wohl nicht allein in der Vollendung der Methode,sondern darin, dass die heliographisch zu vervielfältigenden Karten vonvornherein so gezeichnet sind, dass sie sich für den Process eignenund dass man zu diesem Zweck das Personal des Instituts eigens ein-geschult hat.

Weniger gross im Format, aber ebenso meisterhaft in der Herstellung,ja in manchen Beziehungen noch hervorragender sind die Leistungender Kaiserlich Russischen Expedition zur Anfertigung derStaatspapiere in St. Petersburg. Dieselbe hat nicht nur Tiefdrücke,sondern auch Hochdruckplatten für die Buchdruckpresse nach denselbenOriginalen geliefert, die höchst anerkennenswerth sind, ferner einigeMeisterstücke in der heliographischen Reproduction von Schriftsätzen.Eine Seite vonUeber Land und Meer z. B. ist auf einen Zollreducirt und durch das Mikroskop noch vollkommen lesbar; fernerbefindet sich hier ein kleines Büchlein, das in mikroskopischer Schriftheliographirt, mehrere Manifeste des Kaisers Alexander enthält. AuchProben von Woodburys Reliefdruck sind zu erwähnen und vier Halbton-Blätter nach Skizzen des Malers Mikes chin. Die mikroskopischenSchriften sind nach einem eigenthümlichen Verfahren des Herrn G.Scamoni, Mitarbeiter des Instituts, ausgeführt. Scamoni (aus Würz-burg) benutzt den Umstand, dass ein photographisches Negativ an sichein schwaches Relief bildet. Sein Verfahren läuft darauf hinaus, dasRelief durch abwechselnde Behandlung mit Jodkalium, Quecksilbersalz,ferner mit Silbersalz und Pyrogallussäure zu verstärken und von dem indieser Weise erhöheten Relief einen galvanischen Abdruck zu nehmen.Wie schon in der Berichterstattung über die erste Section bemerkt, be-schränkt sich die Hauptaufgabe des Instituts auf Abfertigung von Werth-papieren und arbeiten dazu zahlreiche graphische Künste zusammen.

Frankreich hatte mehrere heliographische Arbeiten von Interesseausgestellt. Von historischem Standpunkte werthvoll war die Sammlungder Societe frangaise de Photographie ; sie hat, wie die Motivirung desihr zuerkannten Ehrendiploms besagt,sich die Förderung der Photo-graphie nach allen Richtungen hin zur Aufgabe gemacht; sie hat in denJahren ihres Bestehens wiederholt den Impuls gegeben zu belangreichenUntersuchungen im Gebiete der Photolithographie, der Heliographie,des Pigmentdruckes,. der Photographie mit Silber- und Uransalzen, siehat den Erfindern Preise zuerkannt und zahlreiche Arbeiten zur För-derung der Photographie vonLe Gray, Niepce, Poitevin, Davanne,Girard und Anderen sind unauflöslich mit ihrem Namen verknüpft.