Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
690
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Gruppe XII. Graphische Künste,

kalischer Druckwerke. Die Uebertragung von in Zinn gestochenen odergeschlagenen Noten auf den Stein und der' Druck derselben auf derSchnellpresse machen es jetzt möglich, ohne Beihilfe des typographischenNotensatzes, wenigstens wo nicht der textliche Theil bedeutend ist,grosse Auflagen schnell und billig herzustellen, während das durch dieEigenart des musikalischen Geschäftes notliwendige Aufbewahren derPlatten keine grossen Ausgaben und Räumlichkeiten beansprucht.

Wenn die aus Deutschland und Oesterreich ausgestellten Musika-lien durchgängig ein gutes äusseres Gewand trugen, so ist dieszum grossen Theil das Werk einer Firma: C. G. Röders Noten-stecherei und Druckerei in Leipzig, die auf den Pulten fast allerausstellenden Musikverleger Deutschlands und Oesterreichs repräsen-tirt war, zugleich arich selbstständig ausgestellt hatte. Dies Geschäfthat sich, mit den kleinsten Anfängen beginnend, zu einer Höhe empor-geschwungen, dass es jetzt wohl ohne Rival dasteht und zeigt sorecht deutlich, was unausgesetztes Wirken nach einem festen Zielehin vermag. 17 Schnellpressen, 29 Handpressen und ein Personalvon 260 Leuten genügen nicht, um die Anforderungen an das Geschäftzu erfüllen. 76 Stecher liefern jährlich 36 000 bis 38 000 Stück Plat-ten, wozu circa 60 000 Pfd. Metall nothwendig sind. Die Manipulationdes Umdruckens und des Aetzens Rer Platten, welche lithographischauf der Schnellpresse gedruckt werden, beschäftigt allein 30 Menschenund 8 Pressen. Gedruckt werden jährlich circa 20 Millionen Bogen,wozu 20 000 Ries Papier nothwendig sind. Sechs durch Dampf getriebeneSchleifmaschinen verrichten die Arbeit von 28 Menschen. Eine 14-pferdige Dampfmaschine liefert für Alles die nöthige Triebkraft. Aus-gestellt waren Stichplatten und Probedrucke der verschiedensten Noten-systeme, von dem denkbar kleinsten bis zu dem grössten, sowie aucheine Collection von 72 Titelblättern. In der Anfertigung solcher,grösstentheils in Chromolithographie, wie es die luxuriöse Mode jetztverlangt, hergestellten Titelblätter besitzt die Anstalt grosse Routineund beschäftigt damit 21 Lithographen und 12 Pressen.

Eine wirkliche Ausstellungsperle verdankt ebenfalls der Röder-schen Officin ihr Dasein, wenn ihr die Ehre der Ausführung auch nichtallein zukommt, nämlich das von Sr. Maj. dem Kaiser Franz Josephzur Ausstellung überlassene, ihm gehörende Dedieationsexemplar derPartitur von der Schlussapotheose der Kaiseröuvertüre vonWilh. West-meyer (Verlag von Fr. Schreiber in Wien). Der Stich der Diamant-noten und der Druck der 18 Blätter, deren gestochener Theil mit 22Liniensystemen nebst dem Text nur den Raum von 7 1 / 2 Zoll Höheeinnimmt, kann wohl als das Vollendetste gelten, was im Notenstichund Druck erschienen ist. Besonders schwer war der Druck des Pracht-exemplars , welcher auf grossen, starken und geleimten Bristolcarton-bogen geschehen musste, denn es war bestimmt, mit Aquarellen