Section I. Die Typographie etc. Die Lithographie. 645
Ein ernstes Streben, ein hohes Ziel zu erreichen, zeigt ebenfallsdie Firma Kröner (als Buchdruckerei Gebr. Mäntler). „Aus Deut-schen Bergen“, mit vortrefflichen Holzschnitten vorzüglicher Zeichner,ist eine cler besten Leistungen der neuesten Zeit. In einheitlicherDurchführung, eine Eigenschaft, die so sehr selten in deutschen Druck-werken zur Geltung kommt, wird sie noch von „Ilugdietrich’s Braut-fahrt“, illustrirt von A. v. Werner, übertroffen und kann in erwähnterBeziehung als Musterwerk dienen, wir wenigstens wüssten nicht, wasdaran auszusetzen wäre.
Die alte renommirte J. B. Metzler’sehe Buchhandlung undBuch-druckerei (gegründet 1681') bringt ebenfalls Werke, illustrirt von A. v.Werner, unter welchen V. ScheffePs „Trompeter von Säkkingen“ denersten Platz einnimmt; auch hier ist die consequente Durchführunganzuerkennen, nur die schwere Einfassung wirkt etwas störend. P. Neffbringt das „Märchen von der schönen Melusine“, ein Cyclus von 11 Bil-dern von Mor. v. Schwind, photogr. von J. Albert, „Natur - und Dich-tung“, illustrirt von II. Closs, der sehr in die Manier Dore’s verfällt,daneben praktische Conversationsbüeher und Schulverlag. Carl Grü-nin g er (Zu Guttenberg’sehe Buchdruckerei) zeigte Druckwerkemancherlei Art, darunter russische und orientalische Bücher. EmilHochdanz und Gust.Weise hatten dieWände mit hübschen Arbeitenin Lithographie, Chromographie und Kartendruck geschmückt. EineSpecialität von Weise sind die deutschen Bilderbogen für Jung undAlt. Im Jahre 1871 wurden 576 000 Bilderbogen, 916 000 illustrirteHefte, 25 000 Oelfarbendrucke und 101 800 Bilderbücher geliefert. —Ein Werk von mehr als gewöhnlichem Interesse war das mit Licht-drucken illustrirte „Was sich der Mond erzählt“, ausgestellt von MartinRommel, der ausserdem Cartons, landschaftliche Aufnahmen undUebertragungen von Stichen in Lichtdruck lieferte.
Alles in Allem musste die Stuttgarter Ausstellung als einesehr gelungene betrachtet werden und darf man Stuttgart in Bezugauf illustrirten Druck als eine würdige und gefährliche NebenbuhlerinLeipzigs ansehen, während Berlin und Wien hierin zurückstehen. DieXylographie nimmt, unterstützt durch talentvolle Zeichner, eine sehrachtungswerthe Stufe ein. Wenn Stuttgart in der Illustrationsweise sichVieles von der französischen Leichtigkeit und Eleganz angeeignet hat,ohne deshalb der deutschen Vorzüge verlustig zu gehen, so kommt einwesentlicher Theil der Ehre dafür auf Rechnung der nach Grundsätzender Kunst geleiteten Anstalt von A. Closs. Dieselbe hatte nicht selbst-ständig ausgestellt, war aber fast in jedem Stuttgarter Prachtdruckvertreten, so z. B. in Uhland’s Gedichten, Natur und Dichtung, Wieland’sOberon, Auerbaeh’s Barfüssele, aus den deutschen Bergen, Hugdietrich’sBrautfahrt, dem Tromneter von Säkkingen u. s. w. Vor dem Kriege