Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
607
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Section V. ' Posamentierarbeiten. Die künstlichen Blumen. (i07

producirender kleinerer Städte nicht gewachsen ist, nicht mehr unddie Einsicht der Fabrikanten müsste nicht die zwingende NotlrWendig-keit abwarten, sondern sich freiwillig der Herstellung der besten undkünstlerischen Artikel zuwenden.

So sind die meisten Berliner Blumen, besonders die zur Zimmer-,decoration bestimmten, nicht nach der Natur und mit künstlerischemSinne gearbeitet, sondern nach älteren französischen Mustern copirt;das Arrangement erfolgt nach dem Gutdünken meistens ungebildeterArbeiterinnen, nicht nach den Gesetzen der Natur und mit künstleri-scher Begabung. Aus Paris beziehen die Fabrikanten ihre -Modelle,anstatt selbstständige Künstler zu beschäftigen und den Geschmackihrer Arbeiterinnen zu bessern und zu läutern. Die Ausstellung ist einneuer beschämender Beweis für Berlin gewesen, dass es hinter seinenColleginnen in kunstgewerblicher Beziehung, besonders in allen Branchender Textilindustrie, bedeutend zurücksteht. Die Blumenfabrikation,wenn künstlerisch gehandhabt, würde Tausenden fleissiger weiblicherHände, die gezwungen sind, männliche Erwerbszweige aufzusuchen,reichliche und anregende weibliche Beschäftigung schaffen!

Die Blumenfabrikation in England, Holland, Portugal undanderen europäischen Ländern ist ziemlich unbeholfen und von gerin-gem künstlerischem Werth.

Grosses Interesse erregten auf der Ausstellung die ans Federnhergestellten Blumen aus Brasilien, welche dort mit grossem Geschmackund Geschick aus Federn in natürlichen Farben und kleinen Käfernangefertigt werden. Allerdings machten die kunstfertigen Arbeiterinnen,welche in Wien waren, den Eindruck von Pariser Modistinnen.

Von künstlichen Blumen aus anderen Materialien sind noch dieaus Muscheln zusammengesetzten Erzeugnisse aus Spanien; die däni-schen und australischen aus Fischschuppen und Gräten gebildetensehr zierlichen Blumen; die Wachsblumen aus Amerika, die Strohfa-brikate vom Cap der guten Hoffnung, sowie die originellen Glas-blumen von Georgi aus Charlottenburg bei Berlin zu erwähnen.