Section Y. Posamentierarbeiten. Die künstlichen Blumen. 605
getreu nachgeformt und gebogen und so aus den einzelnen Theilendie fertigen Blüthen erzeugt. Die einsichtigen Blumenfabrikanten ver-legen sich meist auf Specialitäten und verfertigen nur eine Gattungvon Blumen. So fabricirt der Eine nur Rosen, der Andere nur Feld-blumen, ein Dritter Früchte und Beeren u. s. w. Die so gefertigtenBlumen kommen nun in die Hände der Blumenmodisten, welche sie inwechselnder Anordnung zusammen fügen und für jeden Zweck, jedeSaison und Geschmack stets neue Arrangements erfinden, die alsNouveautes den Markt beherrschen. Wie schon erwähnt, nimmt inder Blumenfabrikation Paris die bei Weitem erste Stelle ein. DurchVerwendung tüchtiger Künstler, getreues Studium der Natur, ausge-bildete Arbeitstheilung und geschmackvolles Arrangement stehen diePariser Leistungen unerreicht da und liefern Erzeugnisse, welche intechnischer Vollendung der einzelnen Theile und deren künstlerischerVereinigung zu einem Ganzen die Bewunderung auch der kältestenBeschauer erregen müssen. Die Pariser Blumen werden meistens inkleinen Ateliers angefertigt und bilden vorzugsweise eine häuslicheBeschäftigung. Die Zahl der Arbeiterinnen dieser Industrie beträgtmehr als 15 000 Personen. Die jährliche Production beläuft sich aufmehr als 20 Millionen Francs.
Nächst Frankreich, sind Oesterreich und Deutschland in derFabrikation künstlicher Blumen bedeutend, wenn auch deren künst-lerischer Werth zum grössten Theile nicht an die französischen heran-reicht und sie meist Mittelwaaren herstellen.
Auf der Ausstellung war die Blumenfabrikation in anschaulicherWeise vertreten.
Vor allen hervorragend war die Collectivausstellung der PariserBlumenfabrikanten, welche ihre vorzüglichsten Leistungen in unüber-trefflicher technischer Ausführung und reizendstem Arrangement einge-sendet hatten. Es bedarf einer begeisterten Frauenfeder, um alle dieSchönheiten, welche die verschiedenen vorgeführten Blumengattungenin höchster Blüthenfrische und mit welken Blättern enthielten, würdigzu schildern. Ich nehme keinen Anstand, die Pariser Leistungen indieser Branche als einen Stolz französischen Kunstfleisses hinzustellen,der uns mit Neid und dem lebhaftesten Nachahmungstriebe erfüllenmüsste. Mögen unsere deutschen Fabrikanten, deren Artikel im Ver-gleiche zu diesen sich häufig wie Bilderbogen neben vollendeten Kunst-werken ausnehmen, von der Ausstellung das Gefühl ihres Unwerthesund das Streben nach Vervollkommnung mitgenommen haben!
Nächst den französischen Blumen erfreuen sich die Wiener desbesten Rufes. Die Ausstellung von H litte r strassen in Wien, welchein ihren Einzelheiten wie im ganzen Arrangement vorzüglich zunennen ist, und da dies Haus nicht selbst Blumen anfertigt, sondern