602
Gruppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie.
sächsischen Stickmaschinenfabrik in Chemnitz und Escher,Wyss & Co. in Zürich arbeitend vorgeführt und erregte das Erstaunenaller Besucher. Sie fertigten zu gleicher Zeit circa 14 Ellen Stickereien,sowohl Weiss- als Buntstickereien, und übertreffen die Hand einer ge-übten Stickerin wohl um das .Hundertfache an Schnelligkeit.
Die Stickerei war auf der Ausstellung sehr reichhaltig vertreten.Besonders die Buntstickerei, welche im Orient in vorzüglicher Weisegeübt wird, zeigte die prächtigsten Erzeugnisse, die unserer europäischenIndustrie nachahmungswerthe Vorbilder für die Technik und Compositionder Muster gegeben haben. Bei der Vorliebe der Orientalen fürbunte Farben und der mangelhaften Technik der Weberei, welche derAusführung complicirter Dessins häufig Schwierigkeiten entgegenstellt,geschieht die Verzierung der Gewänder und Stoffe in ausgedehntemMaasse durch die Kunst des Stickens, in der sie die uralte Traditionsowohl in der Arbeit wie in der wirksamen Zusammensetzung derMuster eine grosse Vollendung hat erreichen lassen.
Indien ist Meisterin in der Kunst des Stickens. Die prächtigenGoldstickereien, mit denen die Kleidungsstücke, Shawls, Schleier undAnderes besetzt werden, vor allem aber das kostbare Gewand, an demdas Gold den Grund der Stickerei bildete, während die Zeichnung inbunter Seide ausgeführt war, mit dem der indische Fürst in seinemZelte bekleidet war, ebenso wie die zahlreichen Buntstickereien, welchedie Ausstellung zeigte, beweisen die hohe Vollkommenheit, mit der dieStickerei in Indien geübt wird.
Die chinesischen Stickereien erregten wohl am meisten die Be-wunderung der Besucher; sie sind gleich ausgezeichnet durch die Tech-nik, die Zeichnung und Farbe. Der Grund, auf dem die Stickereienausgeführt werden, ist entweder ein glatter seidener Taffet oder Atlasoder ein ausserordentlich feiner Stramin. Von ausgesuchter Feinheitsind die Zeichnungen. Besonders sind Vogelarten beliebt, die in vollsterFarbenpracht, jedoch ohne naturalistische Modellirung, nachgeahmtwerden. Die Farben sind lebhaft und kräftig und in anmuthiger Zu-sammenstellung. Sowohl Platt- als Kreuzstickereien werden ausgeführt,letztere in der Kegel so, dass die Zeichnung und Farbe auf beiden Sei-ten des Stoffes gleich erscheint, was dadurch möglich ist, dass jedes Faden-ende gut vernäht, d. h. unter den aufliegenden Fäden versteckt wird.
Die japanischen Stickereien ähneln sehr den eben erwähnten,wenn sie auch nicht so kunstvoll wie jene ausgeführt sind. Auch hierwerden Vögel mit Vorliebe dargestellt, besonders Hühner und storch-artige Vögel. In beiden Ländern wird die Stickerei als Hausindustriebetrieben, und Technik wie Musterung in uralter Tradition vererbt.