Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
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601
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Section V. Posamentierarbeiten.. Pie Stickereien. 601

werden, während die Stickerei einen fertigen Grundstoff voraussetzt,auf dem die Zeichnungen durch Aneinanderreihen Von Fäden hervor-gebracht werden. Die Elemente dieser Zeichnungen heissen Stiche;sie zerfallen in zwei verschiedene Gattungen, in Plattstiche undKreuzstiche, deren erstere, aus der einfachen Nath hervor gegangen,in der Nebeneinanderreihung gleichlaufender Stiche bestehen, währendletztere die kreuzweise Ausfüllung kleiner Quadrate bezwecken.

Die Kunst des Stickens ist uralt, die Verzierung der ältesten Stoffegeschah ausschliesslich durch sie; ja man wird vielfach an die Stickereizu denken haben, wo die alten Ueberlieferungen uns von kunstvollenWebereien sprechen. Die älteste Stickmethode war ohne Zweifel derPlattstich, da derselbe als Grundlage jeden beliebigen geschmeidigenStoff, Leder, Felle, rohe Gewebe, gestattet, während der Kreuzstichstets eine netzförmige Unterlage (den Canevas, Stramin), also ein leichtes,regelmässig gearbeitetes Gewebe voraussetzt.

Die Producte der Stickerei sind ausserordentlich mannigfach.Durch Anwendung der verschiedenen Grundstoffe: baumwollener, wol-lener, leinener oder seidener Gewebe, von Leder und anderen wird denStickereien ein eigenthümlicher Charakter aufgedrückt; dasselbe ist innoch viel höherem Maasse der Fall durch Wahl der mannigfachenStickmaterialien, die wiederum, in verschiedenen Farben angewendet,unendliche Variationen erzeugen können. So unterscheidet man dieWeissstickerei von der Buntstickerei, während je nachdem dieStickereien direct auf dem Grundgewebe erzeugt oder noch eine Unter-lage dazwischengebracht wird, Flachstickereien und Reliefsticke-reien entstehen.

Die Anwendung von Stickereien ist eine ausserordentlich grosse.Im Orient sowohl wie in Europa bilden Stickereien eine der beliebtestenVerzierungen sämmtlicher textilen Stoffe und werden zum Theil ingrösster Vollendung als Meisterstücke menschlicher Kunstfertigkeitdargestellt. Nach der Art ihrer Herstellung unterscheidet man dieStickereien in Handstickereien und Maschinenstickereien. DieStickmaschine ist eine Erfindung, der neueren Zeit. Sie wurde imJahre 1829 von Heil mann in Mühlhausen erfunden und besteht inihrem Princip aus einer oder mehreren Reihen zweispitziger, in derMitte ihrer Länge das Oehr enthaltender Nadeln, welche den in einemRahmen vertical aufgespannten Stoff durchstechen und nach regelrechterVerschiebung des letzteren die ein Arbeiter nach Anweisung einerVorzeichnung mittelst einer storchschnabelartigen Vorrichtung bewirktan andere Stellen zurückkehren. Diese Maschine, welche in England,Deutschland und der Schweiz vielfach verbessert wurde und heute einenausserordentlich wirksamen Apparat bildet, hat die Plattstickerei zueinem hochbedeutenden Fabrikationszweig gemacht. Auf der Aus-stellung war dieselbe in wesentlich vervollkommneter Gestalt von der