Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
588
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588 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs - Industrie.

seren Stoffe zeigen eine erstaunliche Aehnlichkeit mit den von Deutsch-land und Frankreich dorthin importirten Fabrikaten.

Japan. Wohl keine andere Ausstellung in der Seidenfabrikationhat mit Recht mehr das Interesse der Besucher erregt als die Japans.Bei allem, was dieses Volk in seinen Industrien bietet, tritt uns frischesLeben und Lust am Schaffen entgegen.

Mag man noch so sehr geneigt sein, über vieles Burleske undBizarre im Dessin, über allerlei eigenthümliche Stilrichtungen den Kopfzu schütteln, alle die Unschönheiten werden gleichsam veredelt durcheinen gemeinsamen Zug, der überall zu finden ist:Die Lust und Aus-dauer in der Arbeit. Aber neben diesen erwähnten Excentricitätenmacht sich andererseits wiederum ein so feiner Sinn für Form undFarbe geltend, zeigt man uns Stoffe in den zartesten gebrochenen Tönen,in den anmuthigsten Dessins, in Ornamenten, mit Gold und Silbergemischt, die Natur nicht nachbildend, sondern sie nur zu phantastischenNeubildungen benutzend, so dass sie alles übertreffen, was die euro-päische Kunstweberei zur Ausstellung brachte. Wer wie die Jury-Gelegenheit hatte, alle die Tausend Varietäten der Gewebe zu sehen,welche zum grossen Theil in Kisten und Kasten vergraben lagen undniemals während der Ausstellung dem grösseren Publicum aus Mangelan Raum zur Anschauung gebracht werden konnten, wird sich desGedankens nicht erwehren können, dass trns für das Gebiet der Stoffehier einmal ein gefährlicher ja unbesiegbarer Nebenbuhler erwach-sen könne.

Heute noch jertigt der Japanese seine Stoffe auf einfachen Weh-stühlen, wie wir sie in der interessanten Ausstellung, des Herrn v. Ba-vier in Thätigkeit sahen; seine Werkzeuge sind unvollkommen, eswird aber die Zeit kommen, wo er zu unseren europäischen Werkzeugen,unseren verbesserten Maschinen greift. Die saubersten, complicirtestenMusterwebereien werden auf dem Zugstuhle ausgeführt,'' bei dem derHilfsarbeiter oben auf dem Stuhle hockt und die Schnüre zieht. Inter-essant ist die Construction der Lade, welche nicht an festen hölzernenSeitentheilen befestigt ist, sondern an Schnüren hängt und deren Bewe-gung durch eine am hinteren Stuhlende befindliche Scharniervorrichtungregulirt wird. Es soll dadurch ein leichter, gleichmässiger Anschlagerzeugt werden. Die Stühle sind sauber gearbeitet, die Litzen bestehenaus Seide, die Riete aus Rohr. Eigenthümlich war der Stuhl für schmaleseidene Taffetgewebe, bei dem der Brustbaum durch einen Riemen andem Körper befestigt wird und das Schiffchen länger als die Breite desGewebes ist. Auch die Seidenspinnerei und Haspelei war anschaulichvorgeführt.

Bereits heute sind die einfachen glatten Seidenstoffe in Rayes,Taffetas, in geköperten Geweben auf dem nordamerikanischen Markte