Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
586
Einzelbild herunterladen
 

586

Gruppe V. Textil- und Bekleidungs - Industrie.

Italien. Die Seidenfabrikation Italiens macht Anstrengungen,eine seit langen Jahren verlorene Position wieder zu gewinnen.

Sofern man aus den zur Ausstellung gelangten Seidenwaaren derHäuser Nessi fratelli & Barberini, G. Torriani & Puecher, G.Bressi & Co., Camozzi & Co., sämmtlich in dem bedeutendsten Fa-brikort Corno, auf die Seidenindustrie daselbst zti schliessen berechtigtist, macht sich dort durch die immer stärker werdende Concurrenz desAuslandes dieNothwendigkeit geltend, regelmässigere und besser gear-beitete Waare als seither zu liefern. Wohl drängt sich dem aufmerk-samen Beobachter die Frage auf, woher es kommt, dass ein Land, wel-ches die grösste und beste Production von Rohseiden besitzt, bei allenübrigen Vorbedingungen, einer billigen Herstellungsweise bei einerintelligenten Arbeiterbevölkerirng, in neuerer Zeit eine so untergeord-nete Stellung in der Seidenstofffabrikatiou einnimmt.

Indessen zeigen die ausgestellten Stoffe in den verschiedenstenQualitäten: Failles, Satins, Lustrines, Poults de soie, Marcelines, sowiedie Sammete aus Genua und Turin zum Theil vortreffliche Ausführun-gen und brillante Farben und lassen die wesentlichsten Fortschritteerkennen.

England. Die Zeiten des blühenden Zustandes der englischenSeidenfabrikation sind zwar theilweise vorüber, ja selbst auf heimischemBoden hat sie in den meisten Artikeln den mächtigen Concurrentenanderer Länder weichen müssen; wenn wir indessen ihre Bedeutungnach den in Wien ausgestellten Fabrikaten beurtheilen wollten, so würdeman dieselbe sehr unterschätzen. Die englische Seidenindustrie istnoch immer eine sehr bedeutende. Man zählte 1870 in Grossbritannien696 Seidenfabriken mit

1 130 441 Spindeln,

12 378 Dampfwebstühlen und48 124 Arbeitern.

MacelesfieldsTrophäen von Seide, so bezeichnet die Handels-kammer daselbst eine Collectivausstellung von Fabiikanten, liefert wahr-lich für den Kenner der englischen Seidenindustrie kein richtiges Bildder dortigen Fabrikationsverhältnisse. Die Manchester Fabrikanten fehl-ten fast gänzlich, nur einige Londoner Häuser wie Slater, Bucking-ham & Co., Lloyd, Attree & Smith zeigten Specialitäten in Herren-mod'ewaaren, Cravattes etc., von denen manche eine überraschende Aehn-lichkeit mit den Fabrikaten anderer Länder verriethen. Die rühmlichstbekannten Seidenpopelines des Hauses Pim Brothers & Co. dürfenwir indessen nicht unerwähnt lassen.

Coventrys Bandindustrie, die sich unter den schwierigsten Verhält-nissen gegen die mächtigsten Concurrenten Frankreichs, Deutschlands