572 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs - Industrie.
23 000 Ballen ä 50 bis 55 Kg schätzte. Der grosse Begehr nach diesenSeiden, der leichte Absatz in Europa hatte aber dann, wie wir es Ein-gangs dieses Berichts andeuteten, bei den Japanesen eine Vernachlässi-gung in der Auswahl und in der Spinnerei zur Folge, welche dem euro-päischen Händler und Fabrikanten in den darauf folgenden Jahrengrosse Verluste bereiteten. Wohl mag die ausserordentlich starkeAusfuhr von Seidenraupeneiern.nach Europa, welche man im Jahre1866 auf 2 000 000 Cartons (genügend für die Production von 4 000 000Kg Seide) schätzte, zur Verschlechterung der japanesischen Seidenerntebeigetragen haben ; die sich nunmehr rasch entwickelnde Abneigungder europäischen Zwirner und Fabrikanten gegen diese Seiden ist abersehr wesentlich durch die beispiellose Unreellität der japanesischen' Seidenhändler genährt worden. Schon im Jahre 1867 betrug die Ein-fuhr nur 6982 Ballen, im Jahre 1872: 8574 Ballen, von welchen dergrösste Theil unverkauft in England und Frankreich noch gegen Endedes Jahres lagerte: Unter diesen Eindrücken unternahmen die
der Seidenindustrie angehörenden Mitglieder der Jury die Beur-theilung der von der japanesischen Regierung veranlassten Ausstel-lung in Rohseiden. Das japanesische Gouvernement, durch seine Ver-tretung im Auslande wie durch europäische Händler auf den Verfallseines Seidenhandels mit Europa aufmerksam gemacht, hatte nach denErklärungen seines Gesandten Sano Tsounetami, in Wien der Ausstel-lung von Rohseiden eine ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt,und durch denselben der Jury von seinen Bemühungen zur Hebung derSeidenzucht im Lande Kenntniss geben lassen. Die Errichtung von Muster-spinnereien in Yeddo und Tamyoka unter Leitung der Europäer C. Mül-ler und Paul Brunat sind die ersten Schritte auf dieser Bahn.
Die sämmtlichen Seidensorten in Mybash, unter diesen die Sinchew,Simonita, Joslim, zunächst geeignet bei ihrem Erscheinen die feinenSeidensorten Europas zu ersetzen (dieselben kosteten im Jahre 1861im Titre 12 /ic 10 Proc. mehr wie die zweiten Qualitäten italienischer Seide,heute durch schlechtere Qualität 20 Proc. weniger), erschienen auf der Aus-stellung in ursprünglicher Schönheit und Reinheit in Musterbündeln.Die Oshioseiden, heute fast nur noch entartet im Handel zu finden, dieKakeedah, welche zuerst im Jahre 1869 in Europa erschienen und sichbesonders durch ihre Reinheit auszeichneten, die schönen weissen Idahund Soday, welche in den letzten Jahren nur noch in betrügerisch ge-mischter Weise geliefert wurden, die Koshius, auch bekannt unter demNamen Selle’s in ihrem Werthe zwischen Oshio und Mybash stehend,die geringe Mashthah, die groben Aechezan, zu welcher man auch dieNagahama, Tamba rechnet, die sehr bastreiche Nambouh, die IJatclio-jee, auch unter dem Namen Tussah kaum noch auf dem europäischenMarkte ä'nzutreffen, waren alle durch Musterbündel in reichster Aus-wahl vertreten.