Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
552
Einzelbild herunterladen
 

552

(Truppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie.

Es erscheint am Platze, hier zweier Ereignisse zu gedenken, dereneines für die gestimmte Textilindustrie, das andere speciell für dieLeinenindustrie von der grössten Wichtigkeit ist, und welche in ihrenFolgen vielleicht berufen sind, von weittragendstem Einflüsse zu werden.

Es sind die in Verbindung mit der Ausstellung ins Leben gerufe-nen internationalen Congresse:zur Erörterung der Frage einer ein-heitlichen Garimumerirung , undder Flacksiuteressenten, derenBestrebungen und Beschlüsse in Kurzem dargestellt werden sollen.

I. Der internationale (Kongress zur Erörterungd e r Frage e in er einlieitlic h e n Ga r n n u m e r i r u n g.

Wohl auf keinem technischen Gebiete besteht eine solche Verwir-rung und Verschiedenheit, als in der Numerirung der Garne, d. h.der in Zahlen ausgedrückten Bezeichnungen der Stärkegrade der Ge-spinnste. Abgesehen davon, dass in dem Princip, nach dem diese Bezeich-nung stattfindet, keine Uebereiristimmung herrscht, ist auch die Wahlder einzelnen Gewichts- und Längeneinheiten eine ausserordentlichmannigfache und willkürliche. Man unterscheidet in der Numeri-rung der Garne zwei Methoden. Die eine nimmt ein bestimmtes Ge-wicht als constante Grösse an, untersucht wieviel Einheiten einer ge-wissen Länge auf dieses Gewicht gehen und bezeichnet mit Nro. 1diejenige Fadenstärke, bei welcher eine Längeneinheit das Nor-malgewicht bildet, während bei Nro. 2,3, 4 u. s. w. zwei, drei,vier u. s. w. Längeneinheiten zur Ausfüllung desselben nöthig sind.

Bei der anderen dient eine bestimmte Längeneinheit als con-stante Grösse und auf sie wird das veränderliche Gewicht, welchesverschieden starke Gespinnste wiegen, bezogen, indem Nro. 1 diejenigeFadenstärke bezeichnet, bei der die Längeneinheit eine Gewichtsein-heit wiegt, während bei Nro. 2, 3, -4 u. s. w. die Längeneinheit zwei,drei, vier u. s. w. Gewichtseinheiten ausmacht.

Diese Gewichts- und Längeneinheiten sind nun nicht nur in ver-schiedenen Ländern, sondern auch in einzelnen Gegenden derselbenverschiedene, und meistens bei den einzelnen Gespinnsten eigenthüm-licher Natur.

Wir können die Spinnstoffe in zwei Gruppen in nationale undinternationale eintheilen. Die ersteren, deren Vorkommen ein weitverbreitetes ist, wurden in den Zeiten der geringeren Entwickelungdes Handels meistens an den Orten ihrer Production versponnen undverwebt; es bildeten sich für sie Numerirsysteme aus, welche sich andie heimischen Gewichts- und Längenbezeichnungen anschlossen und