512 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs - Industrie.
Die Italiener bedienen sieb zur Rothfärberei bauptsäcbliob desneapolitanischen Krapps, welcher in Qualität bedeutend besser als derfranzösische ist. Bei unleugbaren Fortschritten, die dieser G-ewerbszweigin Italien gemacht hat, ist derselbe doch noch weiterer Entwickelungfähig und bedürftig.
Schweden, Norwegen und Dänemark. Im Jahre 1871 warenin Schweden 22 mechanische Baumwollspinnereien mit 103 500 Spin-deln vorhanden, welche zusammen 4300 Arbeiter beschäftigten und147s Millionen Pfund Garne lieferten. Letztere gehören meistens denniedrigen Nummern an, von Nr. 18 bis 40 und werden für die Webe-reien des Landes verbraucht. Die Einfuhr fremder Gespinnste betrugim Jahre 1872 noch 1372 Millionen Pfund.
Das grösste Etablissement des Landes ist Rosenlund, Spinnereiin Götheburg, welche auf 30 000 Spindeln und 180 mechanischen Web-stühlen 1000 Arbeiter beschäftigt. Die Fabrikate, aus Garnen undaus verschiedenen rohen und appretirten Geweben bestehend, sind alsgute zu bezeichnen. Im Ganzen ist die mechanische Weberei wenigbedeutend; vielmehr herrscht die Handweberei vor, welche von derLandbevölkerung in den langen und strengen Wintern, besonders fürbunte ordinäre Artikel, in ziemlicher Ausdehnung betrieben wird. Be-deutend ist die Fabrikation guter Zwirne und Netze für Fischerei, zumTheil in grösseren Etablissements; desgleichen die Segeltuchfabrikation.
In Norwegen wurde der erste Versuch einer fabrikartigen Betrieb-samkeit auf diesem Gebiete vor kaum 20 Jahren gemacht und manzählt gegenwärtig 11 Webereien, von denen drei mit Spinnereien ver-bunden sind. Die billige und leicht zugängliche Wasserkraft ist hiervon grosser Bedeutung. Die Zahl der Spindeln beträgt etwas mehrals 100 000; sie liefern jedoch nicht den Bedarf des Landes, da nochein bedeutendes Garnquantum vom Auslande eingeführt wird. DieWebereien arbeiten glatte und buntfarbige sowie halbwollene Stoffeund Segeltuche; doch ist die Anwendung der mechanischen Stühlenoch sehr unbedeutend. Die Fabrikate der Nydalens Compagnieund der Christiania Segeltuchfabrik fanden eine günstige Beur-theilung der Jury. Bedruckte Waare hatten weder Schweden noch Nor-wegen ausgestellt.
Die Baumwollindustrie Dänemarks ist nicht erwähnenswerth.
Belgien. Unter den industriellen Ländern Europas nimmt Belgieneine hervorragende Stelle ein. Seine ausgezeichnete Lage, mit einerausgedehnten Küste und guten Häfen, seine Flüsse Und Canäle, seineblühende Rhederei, vortheilhaftes und wohlentwickeltes Eisenbahnnetz,seine dichte und arbeitsame Bevölkerung, fortgeschrittene Bodencultur,und daher verhältnissmässige billige Lebensbedürfnisse, endlich sein