Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
483
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Section I. Schafwollenwaaren. b. Gespinnste etc. 483

Gegen frühere Ausstellungen trat eine grössere Vollkommenheitin der Bearbeitung der Tuche zu Tage; die Modestoffe zeichneten sichzum Theil durch sehr geschickte und kunstvolle Weberei und effectvolleMuster aus und Hessen die technischen Kenntnisse der Fabrikantenoft als sehr bedeutende erscheinen. Im Rohmaterial ist die Verwendungbilligerer Materialien, überseeischer Wollen itnd Kunstvollen, in er-höhetem Maasse zu erkennen, welche bei geschickter Anwendung einegrössere Preiswürdigkeit ohne Schädigung der Solidität def Waarengestatten. Die Colonialwollen liefern, wenn sie auch, besonders beiglänzend appretirten Stoffen, die Zartheit und den Schmelz, welcherdie edlen deutschen Wollen auszeichnet, vermissen lassen und daherfür feine Tuche nicht verwendbar sind, eine ausserordentlich gesunde,kräftige Mittelwaare und haben gerade diese Fabrikation in bedeuten-dem Maasse gehoben.

Die deutsche Wollenwaarenfabrikation ist hauptsächlich in einigenpreussischen Provinzen sowie Sachsen heimisch. Von Schlesien ziehtsich dieselbe durch die Lausitz, die Mark bis in die Rheinlande, meistensin bestimmten Districten centralisirt, und arbeitet die verschiedenstenQualitäten, welche auf dem Weltmarkt in gutem Rufe stehen. Die Tuch-waaren aus Hessen, Württemberg und Bayern sind meistens geringererArt und eignen sich mehr für den einheimischen Consum.

Gehen wir zu der Beurtheilung der einzelnen Waarengattungenüber und beginnen mit den Tuchen. Dieselben werden von den fein-sten Qualitäten, die den englischen und französischen nicht nachstehen,bis zu den geringsten Sorten gefertigt und waren entsprechend ver-treten. In hochfeinen Tuchen lieferte die altbekannte Firma LeopoldSchöller & Söhne in Düren vorzügliche Waaren in grosser Varietätund Güte; nicht minder Wagner & Sohn sowie J. II. Kesselkaulm Aachen, welcher eine sehr reiche Collection der feinsten Tuche,Satins und Croises ausgestellt hatte. F. G. Herr mann & Sohn inBischofswerda und Gebrüder Zschille in Grossenhain hatten dichtverfilzte hochfeine und feine Tuche in der Wolle und im Stücke gefärbtausgestellt, die den englischen und Reichenberger Waaren dieser Gattungähnlich sind und alles Loh verdienen. Neben diesen Häusern sindFeodor Bauer in Qörlitz in feinen, Joh. Friedr. Caspari, Reinh.Buchwald in Grossenhain in mittelfeinen Waaren und Andere zu er-wähnen , welche mit gutem Appret versehene aus feinem Material ge-fertigte Tuche ausgestellt hatten, die hauptsächlich für den europäischenConsum bestimmt sind, aber mehr und mehr durch Phantasiestoffe ver-drängt werden.

In feineren Militärtuchen bewährte Burg seinen bekannten Ruf.ßie Ausstellungen von Steinle & Sohn, C. Diestau, A. Paaschezeigten sowohl in Qualität wie iu Zubereitung gelungene Waaren;letztere Firma hatte siimmtliclie von der jireussischen Armeeverwaltung

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