Section I. Leder. Sämischleder, Pergament etc. . 385
in sammtartiger Zurichtung zu den Gewändern und in reichem Farben-schmuck zum Ueherziehen von Möbeln, Etuis und zu Einbänden ver-wendet. Bei den gemusterten Fellen wird die Farbe durch fein ge-schnittene Schablonen mit einem Pinsel oder Schwamme aufgetragen.Kobayashi Szoszai in Yeddo erhielt die Fortschrittsmedaille und dieFabrikanten zu Wakgyama in Japan ein Anerkennungsdiplom.
Pergament war durch zwei Fabrikanten ausgestellt. CarlWildbrett in Augsburg erhielt die Fortschrittsmedaille für seinein allen Farben strahlenden, prachtvoll gearbeiteten feinsten Kalb- undSchaflederpergamente.
Andreas Jewleff in Moskau wurde für seine Goldschlägerblätt-chen mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet.
Lederabfälle. Die beim Falzen der Leder in Masse sich erge-benden Lederspäne wurden früher nur als ein untergeordnetes Dung-mittel verbraucht. Ch. Boullier & Co. in Paris haben es zuerst ver-standen , diese Abfälle wiederum zu geformtem Leder umzugestaltenund gut zu verwerthen. Sie gewinnen daraus das sogenannte künst-liche Sohlleder (cuir factice ), das ein viel gesuchtes Material für dieStiefelhacken oder Absätze und für Zwischensohlen abgiebt. Die Leder-späne werden durch einen billigen Leim oder Kleister zu grösserenMassen vereint und dann in der Presse unter starkem Druck zu Plattenin beliebiger Stärke geformt. Die Fabrikation dieses Artikels hat eineungemeine Ausdehnung gewonnen und wurde auch in Deutschland durchCornelius Heyl in Worms mit Erfolg betrieben. Die anderen deut-schen Fabrikanten waren nicht vertreten. Die Kopenhagener Leder-fabrik nimmt trockne Lederabfälle, zerreibt solche zu feinflockigemPulver und mischt das Anderthalbfache des Gewichts an gelöstem Kaut-schuk darunter. Diese so gewonnene Masse wird zu Sohlen, Riemenund Tapeten gepresst und dann noch mit einem dem Leder ähnlichenAnstrich versehen.
Der Jury konnte kein bemerkenswerthes Zeugniss für die Verwend-barkeit dieses neuen künstlichen Leders vorgelegt werden.
Hülfsmaschinen und Werkzeuge für Gerber waren in gleichguter Qualität durch vier Fabrikanten ausgestellt. F. Pan eck & Sohnin Wien, G.Lutz, Poirier Onkel u. Neffe und Joseph Berendorf,sämmtlich in Paris.
Zu weiterer Berichterstattung giebt dieser Zweig der Ausstellung,soweit er der Gruppe VI. zugetheilt war, keinerlei Veranlassung.Neues war nicht vorhanden.
Wiener Weltausstellung. I.
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