Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
375
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Section I. Lecler. Rind-, Kalb- und Rossleder etc. 375

ein so geschlossenes Gefüge, dass die einzelne Faser, selbst bei derschärfsten Bearbeitung, sieb von ihrer Verbindung nicht trennt— aberdie feine, höchst elegante Zurichtung bleibt doch ausschliessliches Ver-dienst des Fabrikanten.

Stanislaus Pfeiffer und Adolph J. Bauerfeind, beide inWarschau, brachten wahrhaft mustergültige Collectionen von schwar-zem, mattem, lissirtem, genarbtem, chagrinirtem, carrirtem und sati-nirtem Kalbleder zur Ausstellung.

Zu erwähnen haben wir noch die Gesellschaft derSkubiewska’-sehen Lederfabrik im Gouvernement Cherson, welche wegen derMannigfaltigkeit ihrer Producte: Sohlleder, Maschinenriemenleder,

braunes und schwarzes Oberleder, die Verdienstmedaille erhielt.

Der wichtigste Exportartikel Russlands sind die Juchten. Die Quan-titäten, welche davon nach allen Culturstaaten gehen, sind ganz enormund ihre Verwendung die mannigfaltigste. Dieser grosse Fabrikations-zweig war nur von wenig Industriellen vertreten, unter den wenigenaber der erste und bedeutendste Fabrikant K. Theodor Sawin inOstaschkoff im Gouvernement Twer, früher F. Sawin in St. Peters-burg'. Es waren Juchten der verschiedensten Art ausgestellt: rothe,farbige, glatte, dünngefalzte für die Portefeuillefabrikation, naturelle,schwarze und gefärbte für Reisetaschen, Gewehrriemen, Stiefel etc.;auch carrirte in ganz feinem Dessin fehlten nicht. Eigenthümlichbleibt es, dass diese feinfarbigen, dünn gefalzten Juchten, soviel unsbekannt, nicht aus Russland bezogen werden; sie erhalten, wie schonerwähnt, diese Appretur in den Fabriken des Auslandes.

Frankreich ist in Bezug auf die feineren Oberleder, braunemund namentlich Wichskalbleder, für den Welthandel immer noch ton-angebend. Die französischen „veaux cires“ sind auf allen Märktenfür Luxusleder die gesuchtesten und erzielen die höchsten Preise.Deutschland, Belgien und die Schweiz haben in dem letzten Jahrzehntgrosse Anstrengungen gemacht, sich Eingang zu verschaffen und ist esden genannten Ländern auch gelungen, sich regelmässige Kundschaftzu erwerben; doch verdanken sie dieses bis jetzt wesentlich dem billi-gen Preise ihres Fabrikats. Wir zweifeln nicht, dass das Vorurtheil,das der Consument noch gegen nicht französisches Fabrikat hegt unddas seinen berechtigten Grund in der früher gelieferten mangelhaftenQualität hatte, mit der Zeit schwinden wird, und dass wir dahin gelan-gen, endlich auch französische Preise zu erzielen. Ist es uns doch mitlackirtem, alaungarem und farbigem Leder gelungen, und zwar so voll-kommen, dass w.ir tonangebend geworden sind.

Dieser bedeutende Industriezweig war verhältnissmässig nur sehrschwach auf der Ausstellung vertreten. Die Aussteller waren: Fran-jois Bai & fils in Chambery, Carriere Dupont & Prevot in