Section I. Leder. Lackirte LecleK
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erforderlich wird, genügt die künstliche Wärme zum Trocknen. DieFabrikation dieser Artikel ist überhaupt eine einfachere und leichtere.
Der Hauptartikel der Lacklederbranche sind die lackirten Kalblederfür Schuhwerk. Ihre Fabrikation erfordert die grösste Aufmerksamkeitund sind dabei die meisten Schwierigkeiten zu überwinden. Daranreihen sich die lackirten genarbten Yachetten. Dieses sind in Eichen-oder Fichtenlohe gegerbte flache Kuhhäute, die durch Falzen oderSpalten egal dünn gemacht und auf der gekrispelten Narbe lackirtwerden. Sie sollen weich und elastisch, aber nicht dehnbar, und Lackund Leder haltbar sein. Ihre Verwendung finden sie in grosser Massefür Wagenverdecke und für Männerschuhwerk. Die Mehrzahl derdeutschen Lacklederfabriken erzeugt beide Artikel, während der fran-zösische Fabrikant sich stets ausschliesslich mit Einem von beidenbeschäftigt.
Die Wiener Ausstellung war mit Lackleder verhältnissmässig vielreicher versehen als mit Farbenleder. Namentlich zeichnete sichDeutschland nicht nur durch seine grössere Zahl der Exponenten,sondern mehr noch durch die Qualität seiner Fabrikate vor allenAnderen aus.
Die Fabrikation der lackirten Schnhfelle in Deutschland ist so bedeu-tend, die Qualität so anerkannt gut, dass dieses Fabrikat vielleicht das'einzige ist, von dem der Deutsche behaupten kann, dass er damit aufder ganzen Welt die Concurrenz des ausländischen, namentlich deseinzigen einigermaassen concurrenzfähigen französischen Leders, sieg-reich aus dem Felde geschlagen hat. Der Kampf hat sich mit gleichemErfolge für das deutsche Fabrikat bis in das Innere Frankreichs fort-gesetzt, trotz der künstlichen Barriere eines Schutzzolles von 60 Fr.für die 100 Kg Leder.
Diese wackeren Streiter für die deutsche Industrie sind die Fabri-kanten Mayer, Michel & Deninger in Mainz, Cornelius Ileyl undDoerr & Beinhart in Worms. Beide Wormser Fabriken wurdendurch die Verleihung des Ehrendiploms ausgezeichnet.
Lackirte Vachetten waren von der Aktiengesellschaft für Le-derfabrikation in München in vortrefflicher Qualität zur Ausstellunggebracht. Wir dürfen behaupten, dass kein anderes Fabrikat, seihstdas wirklich vorzügliche der beiden französischen Fabrikanten einge-schlossen, die Leistungen der Münchener Fabrikate in Güte und Schön-heit übertrifft. Das wohlverdiente Ehrendiplom würde dieser Finnazu Theil geworden sein, wenn nicht ihr erster Director, Herr Kester,Mitglied der Jury gewesen wäre. Auf die anderen ausgezeichnetenFabrikate dieses Etablissements werden wir hei den betreffenden Arti-keln zurückkommen. Ausser den vier genannten Firmen, dielackirte Schuhfelle und lackirte Vachetten — Mayer, Michel &