Gruppe XXV. Die bildenden Künste der Gegenwart. 14-7
Meister und das meisterhafte Institut des G-ewerbemuseums angeleitet,ein Geschlecht von Kunsthandwerkern in Wirksamkeit, das eben sogrossen Eifer wie tüchtige Fähigkeit zeigt, den Intentionen der Archi-tekten gewissenhaft und liebevoll nachzugehen und sie bis in das kleinsteDetail durchzuführen. Freilich, wer den albernen Traum träumt, un-sere Zeit müsse einen einheitlichen Ausdruck in der Architektur ge-winnen, wer von einem absonderlichen Stil des 19. Jahrhunderts alseiner künstlerischen Nothwendigkeit schwatzt, wird nicht ganz befrie-digt sein.
Eine Ansicht zeigt uns das gothische Kathhaus und in seinerNachbarschaft den Museumsbau in reichen Renaissanceformen und daskünftige Parlamentshaus von einer griechischen Säulenhalle beschattet.Wer sich darüber ärgert, soll zuerst die Vielgestaltigkeit unseres Lebens,die Mannigfaltigkeit unserer Culturwurzeln tilgen. Die Hauptsache fürunsere Kunstentwickelung ist, dass wir, wenn wir zu einem Baustilgreifen, diesem sein volles Recht widerfahren lassen, das organischeGefüge desselben nicht zerstören, und dass der Künstler seine Indivi-dualität nicht preisgiebt, mag er diese oder jene Bauformen anweuden,unmittelbares Leben ihnen einhaucht, das Gepräge seiner Persönlich-keit ihnen aufdrückt. In wie hohem Grade dieses bei Semper zutrifft,ist längst anerkannt.
Fällt der Architektur im Wiener Kunstleben eine leitende Rollezu, so zeigt dagegen die Malerei noch eine starke Anlehnung theilsan die Münchener, theils an die französische Schule. Bei den Uebel-ständen, welche bis in die jüngste Zeit herab an der Wiener Akademieherrschten, war es begreiflich, dass die besseren Talente anderwärtsihre Ausbildung suchten, überdies hat der Reichthum und Luxus, derin Wien sich sammelte und die Kunstliebe in Mode brachte, einenstattlichen Zuzug fremder Künstler veranlasst. Die Gunst der reichenKunstliebhaber neigte sich natürlich der coloristischen Richtung ammeisten zu und legte den Anschluss an die französische unter ähn-lichen Verhältnissen wirksame Kunst nahe. Am stärksten von dersel-ben berührt zeigen sich E. Felix und 0. Herbsthofer. Doch trägtnamentlich die Genremalerei den deutschen Charakter, die Betonungdes poetischen Inhaltes, die freudige Hingabe an das Studium naivenVolkslebens, die gemüthlich - harmlose Auffassung an sich. Durch denwackeren Waldmüller schon vor einem Menschenalter in Wien einge-bürgert, wii-d sie jetzt durch Friedländer, Schönn, Kurzbauertrefflich vertreten. Eine Specialität bilden die Werke von A. Petten-lcofen. Sie schildern mit Vorliebe ungarische Vollcsscenen und fesselndurch die feine Stimmung, den zarten silbergrauen Ton, die frischeAuffassung.
Durch den Geburtsort hat Wien auch das Anrecht an einen an-deren Specialisten, den Aquarellmaler Passiny erworben, dessen Bilder
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