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1 (1874)
Entstehung
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146
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146 Gruppe XXV. Die bildenden Künste der Gegenwart.

Praters ausgestellt, so würden wir auch im Fache der Sculptur einenselbsständig denisenden, energischen jungen Künstler Legrüsst haben.Bei der Verwendung der plastischen Werke zur Decoration der ver-schiedenen Räume kann es uns freilich nicht Wunder nehmen, wenneinzelne Künstler ihre Theilnahme vorenthielten. Die plastische Ab-theilung zählt eine Reihe tüchtiger Arbeiten; doch bleibt es begreif-lich, dass die Wiener Ausstellung gerade hier am wenigsten ein wahr-heitsgetreues Bild von dem Stande der deutschen Kunst lieferte. Diehervorragendsten Leistungen derselben gehören dem Gebiete der monu-mentalen Plastik an. Selbst in dem Falle, dass diese Werke hättennach Wien verladen werden können, so würden sie hier nicht die rechteWirkung geübt haben. Sie brauchen Raum, sie sind für eine bestimmteUmgebung gedacht, sie dulden keine Häufung, kein drängendes Neben-einander der verschiedenartigsten Werke, lauter Bedingungen, die inWien nicht erfüllt werden konnten. Selbstverständlich wird die Be-deutung solcher Künstler wie Drake, D oji n dorf, Zumb us ch u. s. w.nicht verringert, wenn ihre Werke unter ungünstigen Verhältnissendem Beschauer vor das Auge treten. Sie sind viel zu gut gekannt undanerkannt, als dass es für dieselben neuer Proben bedürfte. Erfreulichwar der Anblick der Werke , welche von unserer Bildhauercolonie inRom gesendet wurden. Sie bekunden eine grosse Rührigkeit, einenausgebildeten Sinn für das Anmuthige und Holde, ohne sich in das leerElegante zu verlieren und mit technischer Virtuosität zu prunken.Das Beste lieferten Kopp (jetzt in Stuttgart), E. Müller, H. Ger-hardt, welchen sich der viel zu wenig bekannte, durch und durchkräftig männliche II. Schubert würdig anreiht.

Entbehrte schon die Vertretung der deutschen Plastik der Voll-ständigkeit, so war vollends das Bild, welches die Ausstellung von derdeutschen Architektur bot, ein überaus dürftiges. Achtzehn Künstlerallein haben Zeichnungen und Risse ausgestellt. Dadurch ist die Mög-lichkeit, Resultate zu ziehen, Vergleiche anzustellon, von selbst aus-geschlossen. Erst wenn man die österreichische Kunstabtheilungzur deutschen hinzurechnet, was ja unbeschadet der politischen Selbst-ständigkeit der beiden Reiche geschehen kann, gewinnt das Bild unse-rer Architekturentwickelung volle Farbe. Es giebt gegenwärtig keineStadt in Europa, in welcher der Architektur so zahlreiche grosse Auf-gaben gestellt würden, aber auch keine, welche zur Bewältigung der-selben so viele Meister besässe, wie Wien. Das Parlamentshaus, dieAkademie der bildenden Künste, das Museum, das Rathhaus, der Ausbauder Hofburg harren alle des Angriffs, sie alle lernen wir in Rissen und Mo-dellen kennen. Wirsehen den genialen Semper, dem der Renaissance-stil seine Wiederbelebung vorzugsweise verdankt, den von der Grösseder Antike'erfüllten Hansen, den strengen Gothilcer Schmidt, denfeinsinnigen, stilgewandten Ferstel in voller Thätigkeit, durch diese