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1 (1874)
Entstehung
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118
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118 Gruppe XXV. Die bildenden Künste der Gegenwart.

und dem religiösen Kunstideale in der schroffsten Weise, wie denn über-haupt die jüngsten Leistungen auf diesem Felde sich auch als dieschwächsten offenbaren. Es muss in der Richtung des französischenoder (bei der Centralisation der Oultur in Frankreich richtiger gesagt)des Pariser Lebens liegen, dass die verschwenderische Liberalität derRegierung und der Municipalität, welche Paris in eine Stadt der Denk-mäler verwandeln wollte, den erwarteten Erfolg nicht hatte. Dennauch in der monumentalen Architektur der letzten Jahrzehnte vermisstman die einfache Grösse, die lautere Hingabe des Künstlers an dasBauideal, die lebendige Wiedergabe desselben. Entweder kommen dieArchitekten über die trockene Reproduction des angewendeten Baustilesnicht hinaus, wie die Anhänger der classischen Architektur und derGothik, oder sie erdrücken die organischen Formen durch eine üppige,aber selten lebensfrische Decoration. Natürlich sind jene Werke ambesten ausgefallen* in welchen das decorative Element ein berechtigtesUebergewicht besitzt, die Privatbauten im Stil des 17. und 18. Jahr-hunderts. Gerade in dieser Richtung ist die französische Kunst aufder Weltausstellung gar nicht vertreten. Wenn wir von den Bauplänenin der Specialausstellung der Stadt Paris absehen, lernen wir die Thä-tigkeit französischer Architekten fast ausschliesslich im Gebiete derDecoration und Restauration kennen.

Die Restauration des römischen Forums zur' Zeit des Augustus,des Tempels der ungeflügelten Nike in Athen, des Amphitheaters undTheaters von Arles, des Augustustempels in Vienne, des Amphitheatersin Nimes, dann aus der Periode des Mittelalters die Wiederherstellungder Stadt Carcassone, des Papstpalastes in Avignon, der Kirchen inNoyon, Toulouse, Montmajour, Perigueux u. s. w. hat, wie die Ausstel-lung beweist, die Phantasie der französischen Architekten eingehendbeschäftigt und eine Reihe interessanter Lösungsversuche hervorgerufen.Die Richtigkeit der Lösung kann man in einzelnen Fällen bezweifeln,aber es spricht für die gute Erziehung der französischen Architekten,dass sie nicht nur die Fähigkeit, sondern auch die Lust besitzen, sichin solche Aufgaben zu vertiefen. Die Selbstentsagung, die dazu gehört,sich in eine fremde Gedankenwelt hineinzuleben, kann nur durch reifekünstlerische Bildung erworben werden, wie auch nur die letztere dieFreiheit der Formenbehandlung verschafft, welche zu einer gelungenenRestauration erforderlich ist. Damit steht nicht in Widerspruch, dassdie selbstständig geschaffenen Bauwerke der modernen französischenSchule die Formen theils nur schematisch wiedergeben, tlieils von derOrnamentik sich überwuchern lassen. Bei Originalschöpfungen kommennoch andere Factoren in Betracht, als die Formenkenntniss und über-dies herrscht ein grosser Unterschied, ob dem Künstler, wie bei Re-staurationsplänen, eine feste Grundlage gegeben ist, welche seiner Phan-tasie ein unverrückbares Ziel setzt, und sie in bestimmte Grenzen bannt,