Stabeisen und Stald.
65
Einsetzen der Cliarge, welche 15 bis 20 Centner betrügt, beginnt dieRotation des Herdes, wodurch bezweckt wird, allen Eisentheilen einegleichmässige Hitze zu Theil werden zu lassen uud dadurch an Brenn-material zu sparen. Nach vollendetem Einschmelzen findet dasRühren statt, worauf das Luppenmachen in ähnlicher Weise wie in dengewöhnlichen Puddelöfen erfolgt. Der Ofen ist übrigens zur Zeit inder Praxis noch nicht erprobt.
Von hochwichtiger Bedeutung für die Entwickelung der Eisen-und Stahlindustrie sind die Bestrebungen von William Siemensin London, welcher Modelle uud Zeichnungen seiner neuen Ofencon-structionen ausgestellt hat; nämlich:
1. das Modell eines Regenerativ - Gussstahlsc hmelzof e nsfür das Verfahren der Stahldarstellung nach Siemens - Martin durchEiutränken von Schmiedeeisen- und Stahlabfällen in ein Roheisenbad;
2. das Modell eines sogenannten Cascad enofens, in welchemauf der höhorn Etage im offenen Herde ein Bad von geschmolzenemEisen bereitet wird, um in die nächst untere, aus zwei zur abwech-selnden Benutzung dienenden Abtheilungen bestehende Etage abgelas-sen und dort mit einem Gemenge vou Kohlen- und Erzpulver mit Rühr-stangen durchgearbeitet zu werden; die in solcher Weise erzeugtenLuppen sollen entweder direct weiter verarbeitet oder zum Einträn-ken beim Siemens-Martin’schen Process benutzt werden;
3. Modell uud Zeichnung eines rotirenden Ofens zur directenErzeugung von Schmiedeeisen und Stahl aus Erzen. DerOfen ist dem von Danks ähnlich, cylinderförmig aus Eisen, auf Rollenruhend; er erhält ein Futter aus Bauxitformsteinen, welche sehr feuer-beständig sind; die Heizung erfolgt aus einem Siemen s’gclien Gasregenera-tor, der Ein- und Austritt der Flammen durch horizontal neben einan-der und vor dem Ofen liegende Oeffnungen. Es werden zerkleinerteErze, mit Flussmitteln nach Bedarf beschickt, auf den Herd und nachcirca 40 Minuten zum Schmelzen gebracht, demnächst wird Kohle zu-gesetzt und hierauf die Umdrehungsgeschwindigkeit des Ofens zumZweck der bessern Mischung der Erze und der Kohle bedeutend gestei-gert, wobei die Reduction der Erze unter gleichzeitiger Bildung einerflüssigen Schlacke stattfindet, nach deren Abstich durch schnelles Dre-hen das Ballen des Eisens zur Luppe bewirkt wird. Um Stahl zu erzeu-gen , setzt man nach erfolgter Reduction der Erze Spiegeleisen im Ro-tator zur Masse zu. Es sind eine rohe Luppe, sowie Fertigproducte,wie Tyres, Achsenbleche bis zur Papierdünne mit Bruch- und Biege-proben beigefügt, welche die vorzügliche Qualität der Producte erwei-sen. Eine solche Anlage soll als erste auf dom Continenf zu Prevaliin Kärutlien demnächst in Betrieb kommen.
Erwähnenswerth ist noch die von W. Seilers & Go. in Philadel-phia im Modell ausgestellte, sehr sauber ausgeführte Walzenstrecke,
Wiener Weltausstellung, I. rj