897
B. Landwirthscliaft. XII. Der Gartenbau.
Jedem, der den Garten betrat, bewundert wurden, während ebenso guteLorbeeren, an einer anderen Stelle des Ausstellungsplatzes aufgestellt,auf der sie mit derselben Berechtigung hätten fehlen können, von fastNiemand beachtet wurden; dies beweist schon der Umstand, dass vonletzteren gar keiner gekauft wurde, hingegen die Bäume im Fürsten-hofe zu einem sehr hohen Preise käuflich erworben wurden.
Wenn nun also die deutsche Ausstellungscommission einerseits denBesuchern ein gutes Bild von dem Zustande der Landschaftsgärtnereiin Deutschland gegeben hat, so hat sie zu gleicher Zeit damit demhöchsten Zwecke einer Ausstellung, dem der Belehrung, Genüge geleistet.Diese Belehrung ist nicht den Fachmännern zu Gute gekommen, son-dern gerade der Menge der Besucher, denen zur Anschauung gebrachtworden ist, wie selbst bei beschränktem Platze der Galten eine lieb-liche Erholungsstätte werden kann. Auf diese Weise ist es möglich,die Herz und Gemüth veredelnde Gartenkunst in weite Kreise der Ge-sellschaft zu verbreiten.
Ein Theil des Terrains vor dem Zelte der temporären Ausstellun-gen und eine Strecke der Ufer des Heu stadlwasser s waren von F.J. C. Jürgens, Baumschulenbesitzer in Ottensen bei Hamburg zu einerAnlage, die er eine schleswig-liolsteinsche nannte, benutzt worden. Dieausgeführten Bodenbewegungen, die Regulirung der Wasserform unddie Bepflanzung zeugten von dem guten Geschmack des Gartenkünst-lers, der ja schon früher bei der Hamburger Ausstellung sich als tüchtigin seinem Fache hewährt hatte, ohne dass gerade in Wien Ausserordent-liches geleistet wurde. Während der heissen Zeit litten diese Anlagensogar noch bedeutend von Dürre.
Die Bepflanzung hatte Jürgens nur mit Gehölzen aus seineneigenen Baumschulen ausgeführt, von denen er eine bedeutende Anzahlnach Wien geschickt hatte, so sogar, dass noch viele vortreffliche Exem-plare in den deutschen Gärten zur Anwendung kamen. Im Ganzenwaren alle Pflanzen, die für die Anlagen der permanenten Gartenbau-ausstellung geschickt wurden, von einer recht guten Beschaffenheit.Wenn auch zum Theil die Laub abwerfenden Gehölze, unter denenviele seltene und empfehlenswerthe Species vorhanden waren, währendder kurzen Zeit von sechs Monaten nicht ihre volle Schönheit enwiclcelnkonnten, so bewiesen besonders die Coniferen, diese mit Recht so be-liebte und so oft angewendete Pflanzenfamilie, dass die Züchter esschon vortrefflich verstehen, die Exemplare so zu behandeln, dass sieeinen langen Transport aushalten können, ohne auch nur im Gering-sten einen Stillstand in ihrem Wachsthum zu erleiden.
Namentlich zeichneten sich darin die Erzeugnisse der HamburgerHandelsgärtner aus, die zwar theuer sind, bei denen aber ein fröhlichesFortgedeihen sicher ist.
Wiener Weltausstellung. II.
57