884
Gruppe II. Forst- und Landwirthschaft.
Die Jury der Merinosubsection einigte sich schliesslich dahin, nurdrei Kategorien aufzustellen.
Kat. I. Stämme, in welchen die höchste Tuchwollfeinheit culti-virt wird.
Kat. II. Stämme, in welchen besonders die Reichwolligkeit (beimFesthalten edler Tuchwolle) berücksichtigt wird.
Kat. III. Stämme, in welchen auf Kammwolle (und implicite aufgrosses Körpermaass) gezüchtet wird.
Kat. I. umfasste demnach hauptsächlich mäh rische,böhmischeund besonders ungarische Herden; Preussisch-Schlesien warnur sehr schwach vertreten, dabei mir durch zwei Herden von altem Rufe.
Dagegen hatte sich die Mehrzahl der bekannten deutschenEdelzüchter in Kat. II. aufnehmen lassen, weil sie das edle Tuch-wollhaar nur mit grosser Dichtheit des Stapels und mit reicher Be-wachsenheit zusammen erstreben.
Der Begriff „des Wollreichthums “ ist nach dem Vorgesag-ten für diese Wiener Kategorie durchaus relativisch zu dem Race-körpermaass dieser Stämme und ausserdem mit der Beschränkung„innerhalb des Tuchwollcharakters“ aufzufassen; denn sobald mandiese Schranken und Bedingungen fallen lässt, werden diese sogenann-ten „ E1 e c t o r a 1 - N e g r e 11 i “ - Herden von guten Kammwollherdenmit mittlerem Körpermaasse immer geschlagen, werden.
Dem Züchter, welcher dem Entwickelungsgange dieser Herden .mitdem sogenannten Electoral-Negretti -Typus seit fünfzehn Jahrenaufmerksam gefolgt ist, muss klar geworden sein, dass diese Richtungals solche, also ganz abgesehen von dem Ebenmaass und den WollVorzü-gen der besten Herden, heute für Korddeutschlands bestehende wirth-schaftliche und Verkehrsverhältnisse ein durchaus unwirthschaftliches,also in diesem Sinne falsches und verderbliches Zuchtprincip vertritt.
Diese Electoral-Negretti-Richtung, welche die Vorzüge der fei-neren, weicheren Electoralwolle mit dem höheren Schurgewichte derNegrettis ohne deren Haut- und Falteumenge zu verbinden strebt,nimmt heute ausgesprochenermaassen um so höhere Bedeutung fürsich in Anspruch, weil sie behauptet, dass die Preise für feine Tuch-wolle wieder steigen sollen und müssen (in Folge geringerer Produc-tion derselben) und dass,das hohe Schurgewicht mit diesem Preise inVerbindung die Schafhaltung wieder vortheilhaft machen könne undthatsächlich mache.
Zum Beweise, dass dieser Zuchtrichtung schon im Principe einwirtbschaftlicher' Selbstbetrug zu Grunde liege, ist es nothwendig, sichden ausgesprochenen Zuchtzweck dieser Herden vor Augen zu halten.
Im Wiener Katalog Seite 29 sagt Adolph Steiger zu Leute-witz im Königreich Sachsen, der berühmteste Züchter dieser Richtung,vom Zuchtzweck seiner Herde: