748 Gruppe II. Forst- und Landwirthschaft.
näher kennen lehrt. Die Forstbotanik tritt zunächst nach dieser Rich-tung belehrend auf. Die sicher und richtig bestimmten, prächtigenHolzsammlungen Brasiliens, Ostindiens etc. unterschieden sich vortheil-haft von dem wirren Holzhaufen, den die Türkei wohl nur für forst-liche Laien ausstellte. Japan übertrifft in dieser Beziehung bei Wei-tem China, welches an sich höchst interessante, leider aber in Folgedes Mangels jeder botanischen Kennzeichnung werthlos gewordene Höl-zer von der Insel Formosa lieferte. Weiterhin erscheint die Forst-botanik als Lehrmeisterin für den Waldbau, sei es in alten, waldarmenCulturländern mit früher vernachlässigter Forstcultur, so Italien, Spa-nien, sei es in jenen Ländern, wo noch die Schätze des Urwaldes demMarkte zugeführt werden, wie in Ungarn oder Indien. Nebenherläuft immer eine mehr oder weniger ausgebildete, die Producte desWaldes verfeinernde Industrie, die nur sehr wenig Schlüsse auf denjeweiligen Stand der Wirthschaft gestattet. Dann kommt der Wald-bau, das Fofstculturwesen selbst an die Reihe, es werden Säme-reien, Pflanzen, Culturgeräthschaften mit mehr oder weniger Ver-ständnis dem Beschauer vorgeführt. Weiterhin schliesst sich die„Forsteinrichtung“, die „Ertragsregelung“ an. Charakteristisch fürdie Wiener Ausstellung war die grosse Menge von verschiedenenRegelungssystemen, welche man fand, namentlich aus Oesterreich,Deutschland und der Schweiz. Die Forstbenutzung wird freier, siebahnt sich den Weg in die früher unzugänglichen Gebiete der weg-losen Hochgebirge durch Riesen, durch Schwemm- und Flossanstal-ten, welche Mittel hauptsächlich und vorzüglich durch die österrei-chisch-ungarische und schweizer Ausstellung repräsentirt waren, wäh-rend das intensiver wirthschaftende Deutschland den forstlichen Wege-bau in höchster Stufe durch Schrift und ModelP darstellte. Am End-punkt des Ganzen steht der forstliche Unterricht, wie er sich heute aufdie Wissenschaft stützt. Wir fanden die regsame Schweiz durch ihrenForstverein und dessen Literatur vertreten, auch Spanien sendete nichtunbedeutende Literatur, ebenso Ungarn; Oesterreich und ganz vorzugs-weise Deutschland verzichteten mit Recht auf Ausstellung forstlicherLiteratur, denn deren Gebiet ist zu gross, sie boten nur officielle oderdirect auf Ausstellungsobjecte bezügliche Schriften. Unterrichtsmittellieferten hauptsächlich Deutschland und Oesterreich, Italien namentlichiji botanischer Beziehung. Deutschland zeichnete sich vor Allen durchdie in der Ausstellung repräsentirte Pflege des forstlichen Versuchs-wesens aus (Neustadt, Aschaffenburg), wenn auch Oesterreich und dieSchweiz auf diesem Gebiete nicht ganz fehlen. Die Ausstellung derwirklich guten, wissenschaftlichen Unterrichtsmittel des forstlichen Ver-suchswesens verschaffte Deutschland einen ehrenvollen Platz in Wien,wenn es auch nicht durch die Massen ausgestellter Objecte den flüch-tigen Besucher anlockte.