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2 (1874)
Entstehung
Seite
567
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Section I. Tasteninstrumente. 567

diatonische Geschlecht hervorbringen konnte, dessen Ordnung sich im15. Jahrhimdert in folgender Form herausgebildet hatte:

F G A B II c d e f g a b h c d' e' f g' a' b',wo also in jeder Octave nur drei Halbtöne vorhanden waren.

Später traten die chromatischen Halbtöne hinzu, welche Praeto-rius (1619) auf Boetius (600) zurückführen will. Dieser Irrthum istaus der Unbekanntsebaft mit dem Werke über die Musik des altenAutors zu erklären; nur soviel bleibt als Wahrheit von dieser Angabeübrig, das die Theoretiker des 16. Jahrhunderts durch das Studium desBoetius zu musikwissenschaftlichen Forschungen angeregt und aufdas chromatische Geschlecht im modernen Sinne geführt wurden, daherauch Sethus Clavisius 1 ) eine genaue Anleitung zur Uebertragungder alten Tonarten auf die Orgeltasten geben konnte, woraus ersicht-lich, dass nicht alle chromatischen Claves in der Mitte des 16. Jahr-hunderts auf den Orgeln vorhanden waren. Ueberdies fing man erstin dieser Zeit an, die Octave in 12 gleiche Theile einzutheilen, welcheEintheilung sich dann in späterer Zeit nach und nach einbürgerte.

Deswegen ist die im Jahre 1619 aufgeschriebene Erklärung desPraetorius von der Tastatur des Clavichords genau in diese letztereZeit zu versetzen, welche für die Clavichorde zuweilen folgende Tasten-reihe gebrauchte:

F G Gis A B H c cis de dis e f fis g gis a b h c' cis' d' dis'e' f' fis' g' gis' a' b' h' c" cis" d" dis" e" f"von der man aber gewöhnlich nur die Reihe von c bis f" anwendete.Bei Einführung der chromatischen Töne zog man anfangs für diesel-ben keine besonderen Saiten auf, sondern man liess die zum Anschlagan die Saite benutzten Gänsefeder-, Fischbein-, Straussfeder- oderRabenfederstifte an ein und dieselbe Saite an einer anderen Anschlags-stelle schlagen, wodurch man nach vorherberechneter Saiteneintheilungdie chromatischen Töne hervorbrachte. So hatten z. B. die Töne cund cis, d .und dis etc. nur eine Saite, deren verschiedene Anschlags-stellen und dadurch entstandene Verkürzungen auch die Erzeugungverschiedener Töne zuliessen, natürlich oft auf Kosten der Klangschön-heit.

Nach dieser ursprünglichen Gestalt nahm das Clavichord baldvollkommenere Formen an, wie wir bei Praetorius ersehen können,der ein zu Ende des 16. Jahrhunderts aus Italien nach Meissen inSachsen gebrachtes Clavichord erwähnt, dessen ganze Bauart einenweiteren Fortschritt erkennen lässt. Während man diese Instrumentealsmit Bünden gebauete bezeichnete, bei denen eine Saite mehr alseinen Ton durch ihr zugehörige Tasten hervorbringen musste, nannteman diejenigen bundfreie, bei denen jeder Clavis eine eigene Saite

J ) Exercitatio tertia, Lipsiae 1600.