Druckschrift 
4 (1785)
Entstehung
Seite
236
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rz6 Heber die Einsamkeit.

Im Alter scheint man doch eigentlich zurMeditation am meisten geschickt. Das wildeFeuer der Jugend ist gedampft, des LebensMittagshitze ist vorbey, und der Abend kommtmit sanfter Ruhe und erfrischender Stille. ESmag deswegen doch nicht unwichtig feyn, vordem Abschied aus der Welt noch einige Zeitder Meditation zu widmen, wenn man, nachallem was uns etwa widerfahren ist, noch einwenig Ruhe hat oder stielt. Der blosse GedankesolcherRuhe ist Frühlingsfreude nach einem langenWinter. Ruhen mag man immer, wird zwardie Lesewelt sagen, aber schreiben soll man nicht.Die Wärme ist weg, die Darstellungskraft istverschwunden, die Farben sind verblichen. Dießist wahr, erwiedert der Schriftsteller mit demgrauen Kopfe; aber was ich schreibe, machtmir Vergnügen. Ich gebe auch noch gernemeinen Empfindungen ein wenig Luft; ich lese,ich schreibe, ich denke, das ist mein Leben undmeine Freude, wie in meiner Jugend; und dannhöhlet man im Alter auch noch gerne durch

stille