202 Ueber die Einsamkeit.
stiftsmässigen Junker dort oben im Dorfe; daßdiese Männer döbere Freuden kannten, als dieFreuden der Spieltische und der Schmauserey;daß sie auch in ihren Ruhestunden gerne einsamwaren; daß Einsamkeit und Liebe zurLitteraturundPhilosophie, ihre erste Jugend ausbildete, undin reifer», Jahren noch immer ihre Herzen er-wärmte; und daß sie, in den größten Gefahren,dieser Liebe nicht entsagten, durch die Trübsinnaus der dunkelsten Höhle verbannet wird, undLangeweile aus einer Wüste.
Aber wenn ein wohlerzogner Jüngling end-lich in einer kleinen oder grossen Stadt sichhäuslich niederläßt, so ekelt ihm dann doch vorvielem, und vieles macht ihn unglücklich. Esist darum der Mühe werth, daß man sehe, wiejeder Mensch von feinem und scharfem Gefühle,welches Standes er scyn mag, in jedem Alter,in jedem Lande, sich in kleinen und grossenStädten vor schalen Gesellschaften, und elendemZeitverderb, durch Einsamkeit rettet.
Kleine Städte haben einen unläugbareirVerzug vor grossen Städten, in Absicht auf
Um-