Druckschrift 
3 (1785)
Entstehung
Seite
184
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r54 Ueber die Einsamkeit.

Trümmern, unter Blicken der süssesten Milde,und der innigsten Liebe.

Sie, ach Sie, mein Kind, meine einzigeTochter, starb vor meinem zitternden Antlitz,in ihrem fünf und zwanzigsten Jahre, im neun-len Monat ihrer Krankheit. In ihrem Leich-nam fand sich, ausser den gewöhnlichen Todes-ursachen der Schwindsucht in beyden Lungen,die Leber ungewöhnlich groß, der Magen unge-wöhnlich klein, und in einen ganz unnatürlichkleinen Klump zusammengepreßt; und das Ge-kröse voll Verhärtungen. Also Uebcl genug,um die Seele zu binden, zu hemmen, und zupressen! Zufälle verstopfter Eingeweide hattensich, von ihrer ersten Jugend an, bey ihr ge-aussert. Eine beynahe gänzliche Unfähigkeit zumEssen, behielt sie bis in ihren Tod, seitdem siezärtlich, liebreich, und ohne den allergeringstenSchein einer Abneigung, an meiner Hand, voreinigen Jahren die Schweitz verließ; und einirge Wochen nachher, ihre erste und letzte Liebe,ein schöner, blühender, sanfter, edler Jüngling,sich dort eine Kugel durch den Kopf schoß.

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