Indirekte Quellen.
bis hierher sind es grossentheils nur urkundliche Zeugnisse odersolchen an Werth gleichkommende gewesen, die wir der Betrachtungunterworfen haben. Der Kreis dessen, woraus man mit gleich grossei'Sicherheit Schlüsse mannigfacher Art über litterarisches Leben derVergangenheit ziehen kann, lässt sich aber leicht erweitern. Einenbedeutenden Stoff dazu ergeben die unzweideutigen Nachahmungen derantiken Autoren' im Mittelalter. Eine zusammenfassende Arbeit indiesem Sinne fehlt noch und ist einerseits hei der unkritischen Lageso vieler mittelalterliche]- Texte und andererseits bei dem stetigenAbnehmen solcher Pionniere der Wissenschaft, die sich in entsagungs-voller Arbeit üben wollen, nicht bald zu erwarten. Inwiefern die Er-füllung dieses Planes auch einer Geschichte der klassischen Philologieim Mittelalter zu Gute käme, von der erst Grundzüge vorhanden sind,möge man aus den einleitenden Ausführungen von M. Hertz, Analectaad carminum Horatianorum historiam, I. (Breslauer Universität^-Pro-gramm 187(i) entnehmen. Es wäre zu wünschen, dass nur wirklicheund ganz zweifellose Entlehnungen bemerkt würden, ferner, dass solchenach Ansicht des jeweiligen Herausgebers nachgeahmte Stellen in einemindex zusammengestellt würden, so wie dies für die klassischen Schrift-steller gebräuchlich ist. Schon dadurch würde für den Kenner dasürtheilüber Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit der Nachahmungerleichtert. Es sind diese scheinbar einfachen Dinge in der That rechtverwickelt, weil sehr grosse Belesenheit und treues Gedächtniss Haupt-bedingungen sind und über die Verbreitung und Ausnützung antikerLitteratur im frühen Mittelalter (wenn man Vergils unzweifelhaftenVorrang ausser Frage stellt) ebenso wenig Authentisches bekannt ist,wie andererseits über den gewaltigen Einfluss des angelsächsischen undirischen Latein im Allgemeinen und der Fremdworthascherei im Beson-deren, ein Einfluss, der oftmals schlimm war. Auch in dieser Gruppesind die in Betracht kommenden Zeugnisse mannigfacher Art. So z. B.haben wir sehr genaue und zuverlässige Nachrichten über die Bibliothekdes Cassiodor zu Vivarium. Die in den eigenen Schriften Cassio-dors De institutione divinarum litterarum und De artibus ac disci-plinis übernimm litterarum, als in der Bibliothek vorhanden genanntenWerke sind zuerst zusammengestellt im Serapeum v. Naumann Bd. 2,1841, pg. 52 sqq., aber dort ohne Angabe der Stellen, auf welchesich diese Zusammenstellungen stützen; es sind XXIX Nummern, jedoch