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Über mittelalterliche Bibliotheken
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349
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Beilräi/e zur Geschichte einiger Bibliotheken. .349

2. Oefter als die zuerst angegebene, kommt eine Signatur vor,die jetzt aus drei unter einander stehenden Zahlen (die mittlerestets römisch) bestellt; z. IS. Aug. II. (f. l a ) ? über augiemaioris. Inhalt: Moralia Gregorii per contemplationem (2.Theil);liierin bedeutet I, (il dass die betreffende Handschrift die61. Stelle im I. armariuin einnahm. Statt der römischen Buch-staben sind also liier römische Zahlen eingetreten;

3. die oberste Ziffer dagegen gehört einer durch die armaria fort-laufenden Zählung- aller llss. an; der letzte Codex trug- alsooben eine Ziffer, welche der Summe aller in der Bibliothekbefindlichen Hss. gleichkam. 1 ) Eine solche Zählung kommtwohl nur einer Zeit zu, in der man keine Aussicht auf Ver-mehrung der Hss. hatte, entweder weil Druckwerke Verbreitungfanden, oder aus anderem Grunde; sie fällt höchstens an dasEnde des 15. Jahrhunderts, meinem Yermuthen nach jedochspäter. Dass die Hss. eine vollständige Umstellung und Neu-ordnung erfuhren, ehe sie die unter .'3. angegebene Bezeichnungerhielten, lehrt der Augenschein. (Vgl. z. B. Aug. CVIII, dervorher die Signatur 1. 33 trug, Aug. II. III. IV, die mit I. (ilund f. Ii4 bezeichnet waren etc.) Vergleicht man nun dieseHss.-Nummern mit ihren unten angegebenen Grössen, soist es ganz deutlich, dass, je mehr die. ersteren wachsen, dieletzteren sich verringern. Weder alphabetisch, noch nachAutoren sind die Hss. geordnet: es bleibt also nur eine, An-ordnung nach dem Format.

4. Die, Bezeichnung Augiensis II. IIT. IV. etc. schliefst sich, soweitdies gegenwärtig zu controlliren ist, an die, unter 3. erklärteSignatur in der Reihenfolge der Zahlen so ziemlich an. Siestellt die moderne, Signatur der Reichenauer Hss. in der Hof-Bibliothek zu Karlsruhe dar, welche daselbst eine eigene Ab-theilung bilden.

Der vierten Signirung muss ein allgemeines Einbinden der vor-handenen Bücher voraufgegangen sein (Holzdeckelbände mit SchaflederÜberzogen, viele davon auch mit Metallbuckeln versehen), wobei, wasdem Formate nach sieh leicht vereinigen Hess, in mehr oder wenigerwillkürlicher Weise vereinigt wurde; auf gleiches Alter, oder Gleich-artigkeit des Stoffes ist keine Rücksicht genommen. — Dies mussman sich vor Augen halten, um die [dentifleirung einzelner Theile vonBänden, welche heute noch mehrere andere Schriften enthalten, mit,einer oder der anderen in den alten ('atalogen genannten Hs. nichtauffällig zu finden.

') Ein Beispiel für die gleiche Signirmethode bietet die Bibliothek vonS. Denis noch im 15. Jahrhundert, vgl. oben pg 314.