Einleitung. 9
über das Vorhandene erleben':' Ich glaube nicht, in diesem Jahr-hundert sicher nicht, die jetzt Lebenden im nächsten voraussichtlichWeht. Und da handelt es sich nur um den Rohbau; das Detail istja ganz unübersehbar.
Das ist auch natürlich. Es hat sich eben Alles specialisirt undso grosse Resultate auch die energische Beschränkung geliefert hat,so sind wir leider auf diesem Wege heute dahin gekommen, dass eseine deutsche, eine französische, eine englische Wissenschaft gibt; die
. ^ er Production droht den Einzelnen zu erdrücken und haupt-sächlich daran geht die Möglichkeit einer zusammenfassenden Arbeitin die Brüche. Die grossartigen Leistungen nach dem Muster Bandinismd am wenigsten dazu angethan, uns zu Orientiren; man verliert dasWesentliche nothwendig aus den Augen. Wohin solche Arbeiten führen,zeigt in neuester Zeit wieder die „Bibliotheca Casinensis". Und dochist ja Allen bekannt, dass man in Frankreich schon seit ziemlich langer£eit es besser verstanden hat, den spröden Stoff zu beherrschen. Seit■Iminet, Delisle und Ul. Robert haben die Franzosen in bibliographischenfingen, was zielbewusste Methode, Ausdauer und Takt anlangt, diebunrerschaft übernommen. Warum will man diesen Weg, der auch inden Publicationen der Münchener Bibliothek betreten ist, nicht erfolg-reich weiter gehen?
Im Hinblick auf diese Verhältnisse bekommt das mühselige Ringennach Abschluss solcher sehr weit ausgreifenden und langwierigen Ar-eiten einen stark pessimistischen Beigeschmack. Sollen wir jedochdeshalb die Hände in den Schooss legen? Ich glaube nein. Rom istnicht an einem Tage gebaut worden und wir müssen uns eben be-scheiden, jeder sein Scherflein beizutragen zum grossen Baue, zu säen,was wir nicht ernten sollen.
Viele Fragen lassen sich freilich nicht erschöpfend lösen ohneLeiintniss des Rohmaterials; ohne Uebersicht über die HandschriftenWt eine zusammenfassende Arbeit z. B. über Balimpseste, Uncialcodices,-t urpurhandschriften und so vieles Andere unmöglich; andererseitsmtissten auf Grund des nun einmal Bekannten, gleichsam aPriori, allgemeine Gesichtspunkte angedeutet werden, in Folge derenschon bei Abfassung der zu erhoffenden Inventarien manche scheinbar8 chgiltig-e D ing'e in bedeutungsvollerem Lichte erscheinen könnten.Uas ist der circulus vitiosus, in dem wir uns drehen. Der beste Aus-weg wird immer die concentrische Arbeit Vieler sein, da Einer dieMasse nicht bewältigen kann. Und die concentrische Arbeit, von dersoeben die Rede war, sie ist in hohem Grade auch für den Stoff derfolgenden Abhandlung nöthig. Ich will es hier ausdrücklich betonen:nicht die Idee Beckers, eine zusammenfassende Arbeit überaie litterarischen Quellen des Mittelalters zu geben, sondern(ie lorm ist es, an der man Anstoss nehmen muss, und die Aus-uiirung. Catalogos bibliothecarum antiquos .... qui . . . diversissimisocis vulgatos in unum corpus cogeret, nemo adhuc fuit! Nun dannoart man doch vom Schreiber dieser Worte verlangen, dass er es gethan