Druckschrift 
Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
Seite
611
Einzelbild herunterladen
 

611

1. Kunstgewerbe.

Best & Loycl, Partridge & Co., Ratcliff & Tyler, ebenfallsaus Birmingham, exponirten zwar nichts Neues, doch ganz vortrefflicheFabrikate.

Von österreichischen Ausstellungen durfte wohl vor Allem die-jenige von Alois Harnisch (Firma Diedzinski & Ilanusck) zunennen sein, welche jeden Sach- und Kunstverständigen iu besondererWeise fesselte. Wir fanden da in Lüstern uiid Candelabern ganz excel-lente Prachtstücke, ebenso auch kleinere Gegenstände für den Schreib-tisch, mit einer solchen Präcision und Reinheit ausgeführt, wie dieselbenauf der ganzen Ausstellung nicht besser gesehen werden konnten.Besonders hervorgehoben zu werden verdient ein Tafelaufsatz und Can-delaber, für Seine Majestät den Kaiser von Oesterreich bestimmt, inSilber, Bronze und Email ausgeführt, welche in ihren Details in jederBeziehung künstlerisch durchgebildet waren. Auch ein Schreibtischvon Ebenholz mit Emaileinlagen, worauf eine Schreibgarnitur mit Uhr,gleichfalls mit äusserst gelungener Emailverzierung, ist ein wahresCabinetstiick zu nennen. Die Uhr mit ihren geregelten Dimensionenist ein Meisterwerk. Auch die kleineren ausgestellten Gegenständezeichneten sich durch gefällige künstlerische Formen rühmlich aus.

Herr A. Ilanusch, Theilhaber der Firma Diedzinski & Hä-misch, hat sich auch im Allgemeinen um die österreichische Bronze-waarenindustrie sehr verdient gemacht, indem von ihm zuerst die so-genannten glatten Bronzen im Jahre 1856 in den Handel gebrachtworden sind. Er hat der Bronzewaarenfabrikation hierdurch nichtnur eine specielle Richtung gegeben und diesen Artikel auf eine sohohe Stufe der Vollkommenheit gebracht, dass derselbe dadurch export-fähig geworden ist, sondern sein Beispiel hat auch einen grossen Theilder Wiener Bronzewaarenfabrikanten veranlasst, denselben Weg mitglücklichem Erfolge einzuschlagen.

D. Hollenbach, eine der ältesten Firmen in Oesterreich, hatteganz besonders' gediegene Arbeiten in Lüstern, Uhren, Candelabernn. s. w. ausgestellt, die mit den besten französischen und englischenArbeiten den Vergleich aushalten. Ein Tafelaufsatz für die Glasfabriks-firma L. Lob me y er ausgeführt, sowie ganz grosse Treppencaudelaberwaren in jeder Beziehung musterhaft und tadellos.

LudwigBöhm sowie Franz Beelimann, zwei der strebsamstenFirmen, hatten sehr präcis und rein gearbeitete Gegenstände exponirt.Die Schreibtischgarnituren, Vasen, Spiegel und Cassetten derselbengehörten zu den besten Arbeiten. Der ersteren Firma gebührt auchdas besondere Verdienst der glücklichen Anwendung der Galvanoplastikbei ihren Arbeiten.

Clemens Lux führte uns eine reichhaltige Sammlung von Schreib-tischrccjuisiten vor, iu vergoldeter und oxydirter Bronze, als eine gauzgediegene Handelswaare.

39 *