Druckschrift 
Bd. 3, Abt. 2 (1874)
Entstehung
Seite
575
Einzelbild herunterladen
 

IV. Die Farbanstriche und vergoldeten Kolzwaaren. 575

der ganzen Ausstellung gehörten die von Kölbl & Threm x ) ge-zeigten Gardinenkasten aufConsolen unten am Fensterfussende zier-liche Säulen, die ein flaches Giebeldach tragen, unter dem die Vorhängeherabwallen und die zugehörigen Wandspiegel mit Consoltischen.Geschmackvolle Zeichnung, metallische Schärfe der Modellirung, mehr-farbige Vergoldung (an den Capitälen ein schönes Bronzegrün) undfigürliche Malereien, die mit sicherer Hand in bunten Lasurfarben aufden Goldgrund der Friese gesetzt sind, wirken zu einem prachtvollenGanzen zusammen, Angesichts dessen man nur staunend fragen muss,welche Glanzentfaltung noch für die anderen, wesentlicheren Stückeeines Mobiliars übrig bleibt, nachdem diese wenigen schon so verschwen-derisch ausgestattet worden. Durchwandert man im Geiste die Möbel-ausstellungen der ersten Pariser Firmen, so wird man kaum ein an-deres Möbel, als Ohristophles Cabinet (S. 44-8) finden, das nebenderartigen Gardinenkasten noch seinen Platz behauptete, eine Erfah-rung, die zu der Einsicht führen muss, dass hier des Guten zu vielgeschehen. Doch ist, da einmal der Farbe Zutritt verstattet ist, immer-hin der Zauber gebrochen, der bis dahin ans jedem Vergolder einenneuen Midas machte, unter dessen Händen Alles was sie berührten,sich in Gold und nur in Gold verwandelte.

Eine gleiche Wendung zum Besseren bekundete auch die inter-essante und reichhaltige Rahmenausstellung von Ch. Ulrich jun.& Co. (Wien Und Stein). In den Formen trat hier eine antikisirendeRenaissance in den Vordergrund; die farbige Behandlung knüpfte,wenn auch erst in Versuchen, an italienische Vorbilder an, welche demgoldenen Reliefornament der Rahmenflächen einen matten schwarzen,blaugrünen oder tiefblauen Hintergrund geben. Auch Conrad Bühl-mayer, der unter Anderem einen durch gute Modellirung hervorragen-den Kaminaufsatz brachte, hatte sich mit Erfolg in dieser Decorations-weise versucht. Ein grosser Spiegelrahmen mit Jardiniere aus der Gräf-lich Kinskyschen Fabrik Bürgstein zeigte gravirte Einlagenvon weissem Metall. An anderen Rahmen, z. B. einigen von AndreasZiegler (Sophienhütte), war das Gold auf gravirte Ornamente inschwarzem, das Ebenholz nachahmendem Grunde beschränkt. AndereRahmen (einiges bei Ch. Ulrich jun. & Co.) zeigten, von wie guterWirkung die theilweise Vergoldung geschnitzten Nussholzes ist.

. Diese Anzeichen einer beginnenden Reform im Vergoldergewerbewaren freilich noch sehr vereinzelt, bei der Masse herrschte auch hiernoch der knallige Effect des Goldes vor; Joseph Taussig & Co.,F. Tischler, Carl Moser und viele der schon Genannten huldigtendemselben noch mit solcher Entschiedenheit, dass man auf einen durch-greifenden Umschwung wohl noch lange wird warten müssen. Ihren

') Ausser Preisbewerbung, da Herr Kol bl Mitglied der Jury war. J. B.