574
Gruppe VIII. »Holz-Industrie.
Für die vergleichende Betrachtung zerfallen die in dieser Sectionuntergebrachten Leistungen in drei Gruppen, von denen wir zunächstdiejenige, welche die Herstellung vollständiger Möbel, Geräthe, Kalimenund dergleichen für die Wohnungsausstattung betrifft, zweitens die Fa-brikation der Gold- und Politurleisten, die sich zu der ersteren Gruppeverhält, wie die Kehlleistenfabrikation zur Tischlerei, und drittens dieAn streicherarbeiten zu betrachten haben.
In jener ersten Gruppe thaten sich wie in der Möbeltischlerei dieFranzosen mit gewohntem Glanz hervor. Die Pariser Specialisten hattennur in geringer Anzahl ausgestellt. Albert Gallais zeigte seine un-übertroffenen lackirten Möbel: Schränke, Betten, Stühle, meist für dieSchlafstube bestimmt, in weisser, zart getönter Lackirung mit dunkler,doch im selben Ton gehaltenen Gliederungen und leicht und anmuthigauf die Flächen gemalten Füllstücken, Blumen, Trophäen der Liebeund idyllischen Ilirtenlebens, auch diese, obwohl in bunten Farben, zudem hellen Grundton des Ganzen gestimmt; der Stil zumeist ein wohl-verstandener, von seinen zopfigen Anhängseln frei gehaltener Louis XVL;Picarel in Weiss und Gold ausgeführte Decorationsstiicko von ausge-suchter Eleganz; Loremy & Grisey ihre bekannten Bilder- und Spie-gelrahmen; dergleichen auch Leo p. Br ot undL-Souty & Co. Von denAusstellern, die wir anlässlich ihrer anderweitigen Leistungen schoneingehend besprochen haben, zeigten Fourdinois zwei schön model-lirte Candelaber (Vasenträger), die Figuren in mattem Weiss, die Orna-mente vergoldet; RoudillonConsoltischchen in zweifarbiger, — grünerund gelber — Vergoldung; Colin, Dämon & Co. einen vergoldetenSpiegelrahmen mit weissen Medaillons auf blauem Grunde; B. Worms,J. B. Lanneau, Gueret freres, P. Mazaroz und Lemoine Sesselim Stil Louis XV. und Phantasiestühlehen, an denen bald, wenigstensdurch den historischen Hintergrund berechtigt, bald in falschermoderner Prahlsuclit das hölzerne Gerüst völlig vom Golde verdecktwar. Das schlimmste Beispiel dieser letzteren Richtung war P. Ma-zaroz’ ofterwähntes Buffet. Stoffliche Ausschweifungen, wie sie hierinzu Tage traten, sind bei uns in Deutschland schon hinreichend einge-bürgert, als dass eine Warnung vor der Nachfolge der Pariser nützte.Kann man sich von ihnen noch nicht lossagen, um das Gold am Mobi-liar nur noch in seiner schönen Bedeutung als metallische Farbe zu ver-werthen, so möge man den Franzosen wenigstens auch ihre Geschicklich-keit in der Herstellung und Verwendung mehrfarbigen Goldes ablernen.
Auf dem Wege hierzu gehen die Wiener schon voran, die über-haupt Vortreffliches in dieser Abtheilung zeigten, und auch darin Selbst-ständigkeit bekundeten, dass sie den Aufwand für künstlerisch geschulteModelleure nicht gescheut hatten. Zu den schönsten Vergolderarbeiten