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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.

Abschnitte vom Bambusrohr, die in Form eines cylindrischen Behältersauf einem kleinen Untersatz angebracht und ringsum mit flachemSchnitzwerk verziert waren; ganz andere Arbeiten als jene roh ge-schnitzten Bambuscylinder, mit denen uns China überschwemmt. DieDarstellungen auf ihnen eine durch hohen Klee züngelnde Schlange,ein Falke, der vom Cedernast auf seine Beute stösst, und Aehnlichesmehr sind mit erstaunlicher Schärfe aus dem kieselharten Stoffe ge-schnitten und von jener lebensvollen Wahrheit der japanischen Na-turbilder. Endlich vielerlei kleineres G-eräth bis hinab zu den wohl-feilen Theeschaufelchen, die bei aller Unscheinbarlceit wieder anziehendeBeispiele von der scharfen Naturbeobachtung jenes merkwürdigenVolkes bieten. Mit wenigen eingeritzten, roth ausgeriebenen Strichenvergegenwärtigt uns der Japaner die wallenden Halme des Bambus,die langgestreckten Halses in der Kette fliegenden Enten, die unterden schwanken Zweigen der Hängeweide dicht über dem Wasserspie-gel flatternde Fledermaus mit den allergeringfügigsten Mittelnweiss er uns so an die Landschaft zu erinnern, in welcher das Rohrgewachsen ist, das zu jenem Alltagsgeräth den Stoff liefert».

Wie wunderbar die Japaner den Bambus zu bearbeiten verstehen,zeigte auch ein Miniaturcabinet, 90cmhoch, 100 cm breit und 60 cm tief,mit 26 kleinen Schubladen, deren jede aus einem einzigen StückeBambus geschnitten war und mit fast mathematischer Genauigkeit ihrFach ausfüllte. Die Fächerwände waren aus Bambusplättchen gebildet,die vorn den getüpffelten Hirnschnitt zeigten; die Vorderfläche derSchubladen war mit Plättchen von Elfenbein und Palisander belegt,und das Aeussere des Kästchens mit schwarz gefleckter Bambusrindefournirt. Als Verfertiger dieses niedlichen Möbels, das vielleicht füreine Sammlung japanischer Goldmünzen, die annähernd die länglicheForm der Schubladen haben, dienen sollte, wurde Murasse Kisza-buro in Tokio genannt.

Schliesslich sei noch einer von dem Departement von Tottoriausgestellten Specialität gedacht: zierlicher kleiner Tischchen, dienlichals Untersätze für Nippes, fest gefügt aus parallelen oder in stumpferGehrung zusammenstossendeu, gleichmässig dicken und sehr schwerenStäbchen, deren Farbe derjenigen geschälter Weidenruthen gleicht,aber unveränderlich ist. Anderes als dass diese Stäbchen Abschnittevon bis zu einem Meter langen gertenartigen Polypenstielen seien,war in Wien nicht zu erfahren.

Wiener Weltausstellung. III. 2.

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